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Schmerz ist mitentscheidend für die Mobilität von Altersheim-Bewohnern

Schmerz ist mitentscheidend für die Mobilität von Altersheim-Bewohnern

Pressemitteilung zu den 16. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft


Wien/Salzburg, 23. Jänner 2017 – Der Anteil der Patienten mit chronischen Schmerzen steigt mit der jeweiligen Altersklasse. Ganz speziell bemerkbar ist das auch in Einrichtungen, in denen Betagte und Hochbetagte betreut werden. Den Einfluss von Schmerzzuständen auf die Mobilität haben Wissenschaftler vor kurzem in einer Studie zur Arzneimittelsicherheit in Altenhilfeeinrichtungen belegen können. Dies berichtet aus Anlass der Österreichischen Schmerzwochen Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaften und Pflegepraxis der Paracelsus Universität Salzburg, der die Untersuchung federführend durchführte.

„Schmerz und eingeschränkte Mobilität sind zwei Phänomene, die gemeinsam auftreten. Vorhandene Belastungsschmerzen scheinen dabei insbesondere mit Einschränkungen in der Mobilität einherzugehen“, erklärte der Wissenschaftler.

Das Projekt diente primär zur Untersuchung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Altenhilfeeinrichtungen. In der Analyse einer  Untergruppe von Probanden und Probandinnen wurde auch untersucht, ob und wie sich Schmerzpatienten von Nicht-Schmerzpatienten hinsichtlich der vorhandenen Diagnosen, der Anzahl der Medikamente und der Mobilität unterschieden.

Dazu wurden die Probandinnen und Probanden zunächst zum Vorhandensein von Schmerzen und über deren Intensität mittels standardisierter Erhebung befragt. Mit einem geeigneten Test erfolgte das auch bei Altersheimbewohnern mit eingeschränkten kognitiven Kapazitäten. Schließlich wurde – ebenfalls mit einer standardisierten Untersuchungsmethode – die Mobilität der Betroffenen erhoben.

Im Grunde genommen ergab sich ein Mix aus mehreren Grundbedingungen, welche für die Mobilität und somit die Möglichkeit, eigenständig und aktiv zu agieren, entscheidend sind. Das ergab sich aus der Auswertung der Daten von zunächst 108 Altersheimbewohnerinnen: Schmerzpatienten hatten häufiger eine COPD, Herzinsuffizienz, Diabetes Mellitus, Depressionen, chronische Niereninsuffizienz oder kardiale Herzrhythmusstörungen als Bewohner ohne Schmerzen.

Im Durchschnitt nahmen Altersheimbewohner mit chronischen Schmerzen rund 12 verschiedene Medikamente ein. Unter Probanden ohne Schmerzen waren es im Durchschnitt 10 verschiedene Medikamente.

Prof. Osterbrink fasste die Resultate so zusammen: „Die Mobilität der Bewohner mit Belastungsschmerz war eingeschränkter. Nur 8,8 Prozent der Bewohner hatten eine geringe Mobilitätseinschränkung. 33,3 Prozent der Bewohner hatten keine Schmerzen. Über 50 Prozent der Bewohner mit geringer Mobilitätseinschränkung hatten keinen Belastungsschmerz.“

Von den Bewohnern mit einer ausgeprägten Einschränkung gaben 51,8 Prozent mittlere bis starke Schmerzen an, 22,2 Prozent hatten keine Belastungsschmerzen. Auch bei kognitiv beeinträchtigten Bewohnern zeigten sich mehr Mobilitätseinschränkungen in der Gruppe der Personen mit Schmerzverhalten bei Belastung, als bei jenen ohne Anzeichen für Schmerz.

Allerdings fehlen noch Daten, ob auch die vermehrte Medikamenteneinnahme bzw. die Multimorbidität im Zusammenhang zur eingeschränkten Mobilität stehen. Hier sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Bedeutung der Medikation für die Mobilität und damit die Selbständigkeit der Bewohner weiter herausarbeiten zu können.

Quellen: N. Nestler, J. Osterbrink et al., Mobilität und Schmerz: Gibt es Unterschiede bei Bewohnern in Altenhilfeeinrichtungen? Abstract Deutscher Schmerzkongress, Oktober 2016

Bildquelle: shutterstock

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