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Cannabis-Inhaltsstoffe bei Krebsschmerzen als Zusatzmedikation wirksam

Cannabis-Inhaltsstoffe bei Krebsschmerzen als Zusatzmedikation wirksam

Pressemitteilung zu den 16. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

 

Immer wieder kocht auch in Europa die Diskussion darüber hoch, ob Cannabis oder Marihuana für medizinische Zwecke erhältlich sein sollte.

Cannabinoide haben einen in wissenschaftlichen Studien belegten schmerzlindernden Effekt bei Menschen, die an Krebserkrankungen leiden. Doch wissenschaftlich belegt ist das nur mit pharmazeutisch hergestellten Cannabinoid-Medikamenten,

so Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Leiter der Abteilung für spezielle Anästhesie und Schmerztherapie (AKH/MedUni Wien), Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft und Past President der Europäischen  Schmerzförderation (EFIC).

 

„Es macht deshalb keinen Sinn, Cannabis oder Marihuana für medizinische Zwecke einfach freizugeben. Hier fehlt der Nachweis der Überlegenheit gegenüber den in Studien getesteten Cannabinoiden. Und wir sollten in unserem Gesundheitswesen, das ja sonst auch auf die Kosten schaut, nur Medikamente verwenden und zahlen, für die eine Wirksamkeit gegeben ist“, erklärte Prof. Kress anlässlich der 17. Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG.

 

Ein Anwendungsgebiet für Cannabinoide wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) ist die Behandlung von Krebspatienten, die trotz starker Opioide noch an Schmerzuständen leiden. Das Problem ist groß: Jährlich erkranken weltweit rund 14 Millionen Menschen an Krebs, 32,6 Millionen Patienten leben mit dieser Diagnose. Zwei von drei Betroffenen klagen auch über Schmerzen, ein Drittel von ihnen leidet unter moderaten bis schweren  Symptomen.

 

Wird in der analgetischen Therapie den aktuellen Empfehlungen gefolgt, greift man bei erheblicher Schmerzsymptomatik auf Opioide zurück. Hinzu kommen zusätzliche Mittel wie nicht-steroidale Antirheumatika, Antikonvulsiva und Antidepressiva. „Es bleibt eine Minderheit von etwa zehn bis 20 Prozent von Patienten, die trotz aller Bemühungen weiterhin über eine deutliche Schmerzsymptomatik klagen. Für sie benötigt man neben den invasiven Verfahren auch zusätzliche medikamentöse Ergänzungen“, betont Prof. Kress.

 

Dies könnten industriell hergestellte Medikamente und/oder magistraliter in Apotheken produzierte Mittel mit Cannabinoiden sein. Erst kürzlich ist im „Journal of the American Association of Nurse Practitioners“ eine Übersichtsarbeit publiziert worden, welche die wenigen klinischen Studien zur Verwendung von Cannabinoiden bei Krebspatienten zusammengefasst hat. Insgesamt blieben nur acht Studien zur Analyse übrig, welche Cannabinoide wie THC und/oder CBD mit Placebo, gegen einander oder mit Substanzen wie Codein oder Barbituraten verglichen haben.

 

Es zeigte sich ein eher schwacher schmerzlindernder Effekt der Cannabinoide. In einer Studie war zum Beispiel eine Behandlung mit 10 mg THC analgetisch so wirksam wie eine Therapie mit 60 mg Codein. In einer anderen Studie zeigte ein Kombinationspräparat von THC und CBD eine bessere schmerzstillende Wirkung als THC alleine. Beide Substanzen und deren Kombination waren dem Placebo überlegen.

Cannabinoide sind keine Wundersubstanzen und in ihrer analgetischen Wirksamkeit den starken Opioiden unterlegen. Allerdings können sie bei Krebsschmerzen als zusätzliche Medikation eine Verbesserung der Symptomkontrolle bewirken, wie die wenigen Studien zeigen. Mehr wissenschaftliche Untersuchungen sind daher wünschenswert,

so Prof. Kress.

 

Quellen: Sydney Tateo: „State of the evidence: Cannabinoids and cancer pain – A systematic review“. In: Journal of the American Association of Nurse Practitionners.

 

Bildquelle: shutterstock

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