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Porträt der Arzneipflanze des Jahres 2017: Mutterkraut (Tanacetum parthenium)

Porträt der Arzneipflanze des Jahres 2017: Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer
(© Sissi Furgler Fotografie)

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium (L.) SCHULTZ BIP.) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ähnelt in seinem Aussehen der Kamille. Es wird in England bereits seit Jahrhunderten bei Fieber und Kopfschmerzen angewendet. Die Hauptinhaltsstoffe sind Sesquiterpenlaktone (0,5-2 %), ätherisches Öl (0,5 %; v.a. Campher und trans Chrysanthenylacetat), Flavonoide (Apigenin- und Luteolinglykoside) sowie lipophile Kaempferolderivate. Das Europäische Arzneibuch fordert für Herba Tanaceti einen Mindestgehalt von 0,2 % Parthenolid, welches für die Wirkung eine besondere Bedeutung besitzt (1,2).

Mutterkraut wurde von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) als bewährtes traditionelles
Pflanzenheilmittel zur Prophylaxe von Migräneattacken
eingestuft. Es wird eine tägliche Einnahme von 100 mg empfohlen (3). Auch die Monographie der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) nennt Migräneprophylaxe als bewährte Indikation für Mutterkraut. Seit 2016 ist in Österreich ein entsprechendes Arzneimittel auf dem Markt.
Die Wirkung von Mutterkraut wurde in zahlreichen pharmakologischen Studien untersucht. Es hemmt eine überschießende Serotoninfreisetzung, normalisiert die Vasomotorik, und reduziert die Freisetzung von Entzündungsmediatoren. So lassen sich auch die Wirksamkeit bei der

Mutterkraut in getrockneter Form
(© Leo Himsl)

Migräneprophylaxe erklären (1,2). Für diese Wirkungen sind die Sesquiterpenlactone (Parthenolid), die Flavonoide und vermutlich auch die Ätherischöl-Substanzen verantwortlich. Aktuelle pharmakologische Studien zeigen, dass Parthenolid u.a. auch Potential als Krebsmittel und Neuroprotektivum besitzt (4,5).
In mehreren randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien wurde Mutterkraut bei
Migränepatienten untersucht. Bei regelmäßiger Einnahme konnten die Anzahl und die Schwere der Migräneanfälle signifikant gemildert werden. Außerdem kam es zu einer Verbesserung der
Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.
Die Wirksamkeit wurde auch in einem kürzlich publizierten Cochrane Review bestätigt (6). Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind keine Risiken der Einnahme bekannt. Vorsicht ist lediglich bei Allergien gegenüber Korbblütlern geboten.

Literatur:
(1) Heptinstall S., Awang D. Feverfew: A review of its history, its biological and medicinal properties, and the status of commercial preparations of the herb. ACS Symposium Series 691. Phytomedicines of Europe–Chemistry and Biological Activity 1998; 158–75.
(2) Ardjomand-Wölkart, K., Bauer, R. Pflanzliche Migräneprophylaxe – Mutterkraut, Oesterreichische Apotheker-Zeitung 70(5): 26-28 (2016)
(3)http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Herbal_Community_herbal_monograph/2011/01/WC500100983.pdf.
(4) Ghantous, A., Sinjab, A., Herceg, Z., Darwiche, N. Parthenolide: from plant shoots to cancer roots. Drug Discov Today. 18(17-18): 894-905 (2013)
(5) Gobrecht P., Andreadaki A., Diekmann H., Heskamp A., Leibinger M., Fischer D. Promotion of Functional Nerve Regeneration by Inhibition of Microtubule Detyrosination. J Neurosci. 36(14):3890-902 (2016)
(6) Wider B., Pittler M.H., Ernst E. Feverfew for preventing migraine. Cochrane Database Syst Rev 4:CD002286. (2015)

Quelle: Hennrich.PR - Agentur für Gesundheit & Kommunikation; redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva / Titelbild: Mutterkraut (© Marty Kropp); 

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