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10 Minuten für meine Lunge

10 Minuten für meine Lunge

Dafür wurden zuerst Schulungen zu Lungenscreenings für alle Apotheken Österreichs angeboten. Pro Kurs konnten ca. 30 ApothekerInnen die 14 verschiedenen Systeme und diversen Devices kennen lernen. In den Apotheken selbst wurde dann schließlich das COPD-6 Gerät verwendet und die Werte FEV1 und FEV6 gemessen. Pro Patient wurden 3-8 Messungen mit dem Screener durchgeführt um eine gleichmäßige Qualität zu erhalten. Zuvor erhielten alle TeilnehmerInnen einen Fragebogen. Es wurden sowohl demographische als auch sozioökonomische Daten erhoben, um den Zusammenhang zwischen COPD bzw. Asthma und Alter, Geschlecht und Bildungsstatus zu erkennen. Eventuell spielt auch die Feinstaubbelastung bei der Entstehung von COPD eine Rolle, daher wurde auch der Wohnort der Patienten ermittelt. Ein weiteres Ziel war, das Rauchverhalten zu erheben.

 

Mag. Haberfeld aus Baden zeigte abschließend die interessanten Ergebnisse der Studie. Insgesamt haben österreichweit 544 Apotheken teilgenommen und 23.272 Patienten mit dem Screening Gerät gemessen. Ausgewertet wurden die Ergebnisse mit Punkten und einem Ampelsystem. Wer mindestens 4 Punkte erreicht, hat nicht nur die Farbe rot, sondern auch ein erhöhtes Risiko Für COPD oder Asthma. Diese Teilnehmer wurden im Nachhinein mit einem SMS verständigt mit der Aufforderung sich umgehend einem Lungenarzt vorzustellen. Dies betraf immerhin 881 Personen. Interessant war auch der Fakt, dass kein einziger Raucher im grünen Bereich lag.

 

Klinischen Erfahrungen nach kommen COPD Patienten ca. 20 Jahre zu spät ins Krankenhaus. Ab dem 20. Lebensjahr beginnt der natürliche Alterungsprozess der Lunge und wir verlieren jährlich ungefähr 20-30ml Lungenvolumen. Rauchen begünstigt diesen Vorgang enorm, sodass sich ein Verlust von 50-90ml pro Jahr ergibt. Das tückische daran: dieser Abfall geschieht sehr langsam und unbemerkt. Beschwerden treten erst dann auf, wenn bereits 50% der Lungenfunktion verloren sind. COPD Erkrankte kommen meist erst ins Krankenhaus, wenn eine Lungenkapazität von nur mehr 700ml vorhanden ist. In diesen Fällen hilft nur mehr eine Lungentransplantation, denn medikamentös können nur um die 100-200ml verbessert werden. Bis vor knapp 10 Jahren hatte man keine Ahnung, wie viele Patienten mit COPD es überhaupt in Österreich gibt.

 

Nicht nur deswegen hat das Krankenhaus in Salzburg 2007 an einer Studie teilgenommen, um die Zahl der Erkrankten zu erfassen. Dabei stellte sich heraus, dass 10% der über 40 Jährigen bereits klinisch relevante Erkrankungen haben. Ähnliches gilt für die Mortalität. COPD ist mittlerweile die dritt häufigste zum Tode führende Erkrankung. Umso schockierender findet es Prim. Univ.Prof. Dr. Studnicka aus Salzburg, dass diese Erkrankung immer noch so wenig bekannt ist. Durch diese Unkenntnis werden 80% immer noch nicht diagnostiziert. Dabei würde sich COPD gut für eine Frühdiagnostik eignen, da man weiß, wie sie verläuft und wie sie frühzeitig zu behandeln wäre. Einige Fragen bleiben wegen fehlender Studien jedoch offen. Wie oft sollte man eine Spirometrie, die völlig Nebenwirkungs-frei ist, und ein Screening überhaupt machen? Da noch keine Langzeitstudien vorliegen, ist es auch schwierig zu sagen, ob von einer Früherkennung der Patient 10 Jahre später tatsächlich profitiert. Und natürlich spielt, wie überall, auch der Kostenfaktor eine Rolle. So gilt es herauszufinden, ob diese Maßnahmen der Früherkennung dabei helfen, Medikamente und somit Geld einzusparen.

Quelle: Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Studnicka, Salzburg / Mag. pharm. Heinz Haberfeld, Baden - Vortrag "10 Minuten für meine Lunge", 50. Apothekerkongress, Schladming

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