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„Praevenire“ – ein neues Gesundheitskonzept für respiratorische Erkrankungen

„Praevenire“ – ein neues Gesundheitskonzept für respiratorische Erkrankungen

Hintergrund des Gesundheitskonzepts „Vorsorge vor Versorgung“ für ein gesünderes Österreich sind die Rahmengesundheitsziele, die mit insgesamt 10 Punkten festgelegt sind. Drei davon  wurden besonders erwähnt, nämlich die Gesundheitskompetenz („Health Literacy“), der soziale Zusammenhang und die effiziente Gesundheitsversorgung. Entsprechendes Gesundheitswissen muss in der Gesellschaft vorhanden und gut verankert sein. Das gilt vor allem für Impfprogramme zur Gesundheitsprävention, die nur dann funktionieren, wenn alle mitmachen. Das sind wichtige Voraussetzungen für die effiziente Gesundheitsversorgung einer Population.

Gesundheitsprävention durch Steigerung der Gesundheitskompetenz

Prävention steht auch beim Gesundheitsforum Seitenstetten und dem Projekt „Praevenire“ im Vordergrund und setzt auf Bewahrung und Verbesserung der Gesundheit durch Steigerung der generellen Gesundheitskompetenz. Ziel ist die Entwicklung von Präventionsmodellen, die mit der Bevölkerung in Gemeinden gemeinsam umgesetzt werden sollen. Zum Thema respiratorische Erkrankungen und deren Verhütung wurden als Ausgangsdaten die jüngsten Zahlen aus Österreich zu den impfpräventablen Lungenerkrankungen Influenza, Pertussis und Pneumokokken gezeigt. 2016 nach Weihnachten wurden, neben dem Jahr 2014, die höchsten Influenza-Aktivitäten seit langem gemessen. Der Höhepunkt der Influenza-Welle lag diese Saison in den Kalenderwochen 1-3. Für 97% der Fälle war der Stamm H3N3 verantwortlich. Obwohl der Impfstoff perfekt für diesen Stamm ausgerichtet war, zeigen Auswertungsdaten, dass er wohl doch nicht so optimal - wie erwartet - funktioniert hat. Grund dafür sind entstandene Modifikationen, sodass es zu  einer Veränderung des zirkulierenden Stammes gekommen ist. Besonders betroffene Altersgruppen waren kleine Kinder unter 5 und ältere Menschen ab 60 Jahren.

Falsches Impfverständnis führt zum Anstieg von Lungenerkrankungen

Bei Pertussis (Keuchhusten) konnte in den Jahren 2010-2016 ein kontinuierlicher Anstieg verzeichnet werden. Gründe dafür könnten das verbesserte elektronische Meldesystem, sowie eine deutlich verbesserte Diagnostik darstellen, aber auch die sinkenden Durchimpfungsraten, besonders bei Erwachsenen. Das ist u.a. auf ein falsches Verständnis der Bevölkerung in Bezug auf die Immunität zurückzuführen, da es nach 4-6 Jahren zu einem Abfall der Antikörper kommt („Antikörper Waning“). Viele sind der Meinung, dass eine durchgemachte Infektion eine dauerhafte Immunität darstellt und lassen sich als Erwachsene nicht mehr impfen.

Kinder profitieren von kostenfreien Impfprogrammen bei Pneumokokken

Bei den Pneumokokken konnte ein deutlicher Rückgang der Erkrankungsfälle verzeichnet werden. 2016 gab es insgesamt 250 neue Fälle, wohingegen es 2015 noch 422 waren. Warum? Das in 2012 neu eingeführte kostenfreie Kinderimpfprogramm (< 5-jährige Kinder) wurde sehr gut angenommen. Dabei  werden Kleinkinder mit dem 10-fachen Impfstoff gegen Pneumokokken geimpft. Ältere Erwachsene, die ebenso ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zeigen, profitieren von diesem Impfprogramm im Sinne eines Herdenschutzes, wie neu ausgewertete Daten zeigen.

Projekte zur Förderung des Gesundheitsbewußtseins in österreichischen Gemeinden

Im Zuge von „Praevenire“ wurden 4 Teilprojekte im Bereich der Gesundheitsvorsorge  definiert, die in verschiedenen Gemeinden in Österreich gestartet wurden. Eines davon war das Projekt „Durchatmen in Haslach“, das den Fokus auf Lungengesundheit gelegt hat. Es wurden Antiraucherprogramme, COPD-Kurse und diverse Info-Veranstaltungen für verschiedene Altersgruppen angeboten, wie auch Impfaktionen - die in Schulen durchgeführt wurden - um so das Bewusstsein für Krankheit und Krankheitsvorsorge zu schärfen.

Impfprävention durch Aufklärung und Information in Schulen

Frau Prof. Dr. Wiedermann-Schmidt stellte auch eine Studie zum Thema Impfprävention in einer anderen Gemeinde vor, die in Pöggstall mit 2.500 Einwohnern durchgeführt wurde. Ausgehend für das Studiendesign war eine Multi Center Studie mit insgesamt 3.822 Studenten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Medizinstudenten, vorwiegend im 6. Semester, wurden zu ihrem Impfwissen, dem eigenen Impfverhalten und zur generellen Impfeinstellung in der Bevölkerung befragt. Ähnlich waren auch die Fragen, die sowohl Erwachsene, als auch Kinder und Jugendliche in Pöggstall beantworten sollten. Das Ergebnis zeigte deutlich, dass man vor allem bei den Schülern viel mehr auf Aufklärung und Information setzen sollte, um die Gesundheitskompetenz der Familien, letztendlich der ganzen Population, zu fördern.

Quelle: Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Institut für Prophylaxe und Tropenmedizin, MedUniWien,1090 Wien, Vortrag auf der 50. Wissenschaftlichen Fortbildung für Apothekerinnen, Schladming 5.3.2017

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