Eine gute Verdauung macht glücklich - News aus den ExpertInnen-Runden des 1. Wiener Verdauungstages
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Eine gute Verdauung macht glücklich - News aus den ExpertInnen-Runden des 1. Wiener Verdauungstages
Eine gute Verdauung macht glücklich - News aus den ExpertInnen-Runden des 1. Wiener Verdauungstages

Eine gute Verdauung macht glücklich - News aus den ExpertInnen-Runden des 1. Wiener Verdauungstages

In einer Patienten-Fragestunde beleuchteten die ExpertInnen Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser, Univ-Prof. Dr. Ludwig Kramer und Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gschwantler neueste Erkenntnisse zu Auswirkungen von gesunder Ernährung und Psyche auf den Darm sowie das Thema Gastritis.

Die Fragestunde mit den ExpertInnen startete mit der Frage "Ist das Angebot an heutigen Nahrungsmitteln gesund oder ungesund?"

Univ-Prof. Dr. Ludwig Kramer, Internist und Gastroenterologe stellte fest, dass es zu viele Fertigprodukte mit Zusatzstoffen, Konservierungsmitteln, Glutamat bis hin zu Geschmacksverstärkern gibt. Wir wissen heute: Bakterien helfen bei der Verdauung. 70% der Energie erhalten wir durch Bakterien. Doch mit Zucker und Fett füttern wir den Organismus mit ungünstigen Bakterien.

Kramer verwies auch darauf, dass das "gesündere" Essen auf der Ernährungspyramide von früher FALSCH ist, z.B. sind Fruchtsäfte nicht gesund und machen auch nicht satt! Kaffee ist günstig und die beste Therapie gegen Leberzirrhose (bis 8 Tassen), sogar Filterkaffee ist besser als Espresso – wegen der Flavonoide. Essen sollte jedenfalls nicht „problematisiert“ werden.

Auch Süßes oder Schwarztee sind kein Gift, obwohl Schwarztee für die Leber giftiger ist, aber bei Gastritis ist Alkohol schlecht, auch für Magengeschwüre. Zuckerersatzstoffe wie Birkenzucker (Xylit) sind noch zu untersuchen; es ist eine neue Entwicklung, aber für Bakterien verdaubar. Wichtig ist ein Intervall von 4-5 Stunden Essenpause zwischen den Mahlzeiten einzuhalten – längere Pausen sind noch  besser, 12-16 Stunden nichts zu essen, ist gut fürs Abnehmen.

Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser, Internistin und Psychotherapeutin sprach über die Verbindung von „Psyche und Verdauungstrakt“. Redewendungen wie „Das liegt mir im Magen“, „Da kommt mir die Galle hoch“, „Das kann ich nicht schlucken“, „Es ist mir etwas über die Leber gelaufen“ sind sehr treffend und beziehen sich auf das enterale Nervensystem, das mit dem Gehirn vernetzt ist, das sogenannte „Bauchhirn“. Das Bauchhirn arbeitet völlig autonom und zeigt durch gesunde Reflexe an, wenn etwas falsch läuft. Bei massivem Stress oder großer Belastung kann es daher zu Übelkeit, Darmkrämpfen und Verdauungsproblemen kommen.

Das limbische System ist ein Kommunikationssystem mit Einfluss auf die Darmbakterien und diese beeinflussen wiederum unseren Stimmungszustand. Die Kommunikation verläuft zwischen Gehirn und Mikrobiom, die über Hormone, Nervenverbindungen, Botenstoffe und Serotonin übermittelt wird. Mediterrane Kost z.B. führt zu einer günstigen Veränderung der Darmbakterien und verbessert auch die Stimmung. Industrienahrung wiederum führt durch zu viel Zufuhr an Fett und Zucker zu einem ungünstigen Gleichgewicht der Darmbakterien. Sie fördert die Produktion von Botenstoffen, die dann nach Zucker und Fett verlangen und es braucht große Disziplin, um die Bakterien wieder auf die gesunde Seite zu bringen.

Im Schnitt leiden 10-15% der österreichischen Bevölkerung unter einem Reizdarm. Der Reizdarm zeigt eine Überempfindlichkeit auf normale Reize im Verdauungstrakt und wird durch ein Zuviel an Signalen im limbischen Bereich ausgelöst. Weitere Auslöser für das Reizdarmsyndrom können Infektionen (durch Antibiotikatherapie), Entzündungen, aber auch Angststörungen und Despressionen, Trauma und Stress sein. Auch eine genetische Disposition oder Nahrungsmittelsensibilität und -unverträglichkeiten, Fehlfunktionen der Bauch-Hirn-Achse und Umweltfaktoren können eine Rolle spielen. Dies führt oft zur Angst, etwas zu essen und damit zu einem „Leaky Gut Syndrom“ (löchriger Bauch).

Bei der Behandlung ist je nach Schweregrad ein Stufenplan zu empfehlen: Von der stationären Aufnahme in einem Psychosomatik-Schmerzzentrum bis hin zu einer symptomatisch orientierten Pharmakotherapie oder psychotherapeutischen Behandlung und Hypnose. Hier hat sich vor allem die bauchgerichtete Hypnose bewährt, die die Bauch-Darm-Hirn-Achse in den Fokus nimmt (Publikation „Psychosomatik in der Gastroenterologie und Hapatologie“, Springer-Verlag). Eine Lebensstil- und Diätmodifikation ist bei milden Beschwerden angebracht sowie generell eine Aufklärung, Beruhigung und kontinuierliche Betreuung von Seiten des Arztes/der Ärztin.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gschwantler berichtete über den Zusammenhang zwischen „Gastritis und Oberbauchschmerzen“ und zeigte auf, welche erkrankten Organe zu Oberbauchschmerzen führen können: Leber, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm, Blinddarm, Herz, Speiseröhre, Magen und Dickdarm.

Bei einer Gastritis handelt es sich um eine Entzündung der Magenschleimhaut. Eine Gastritis kann durch 3 verschiedene Ursachen ausgelöst werden:

Die A-Gastritis durch autoimmune Gastritis im oberen Bereich. Die Diagnose kann relativ frühzeitig durch eine Gastroskopie erkannt werden.

Die B-Gastritis wird durch eine bakterielle Genese (Helicobacter pylori, HP) ausgelöst, deren Entdeckung die Gastroenterologie revolutioniert hat. Folgeerkrankungen können neben der HP-Gastritis ein Lymphom oder Magenkrebs sein. Es gibt mehrere Behandlungsmethoden und neue Richtlinien, die die Medizin jetzt sehr kompliziert machen. Eine chronisch aktive B-Gastritis kann zu Erosionen, Magen- oder Dünndarmgeschwür, Magenkrebs, MALT-Lymphom, Autoimmun-Gastritis, Riesenfaltengastritis sowie lymphozytäre Gastritis führen. Als Behandlung wird eine Antibiotikatherapie empfohlen (Eradikation).

Die C-Gastritis wird durch nicht-steroidale Antirheumatika sowie andere Toxine ausgelöst und kann durch Schmerzmedikation, wie z.B. Thomapyrin in den Griff gebracht werden.

Die Gastritis ist eine histologische Diagnose, die erst nach Gewebsentnahme nach einer Magenspiegelung (Gastroskopie) gestellt werden kann. Subjektive Beschwerden alleine reichen für eine Diagnose nicht aus.

Text und Fotos: Angelika Vötsch-Rosenauer; Bildquelle: pixabay

 

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