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Durchblutungsstörungen: Risikofaktoren, Therapien & vorbeugende Maßnahmen

Durchblutungsstörungen: Risikofaktoren, Therapien & vorbeugende Maßnahmen

Durchblutungsstörungen: Risikofaktoren, Therapien & vorbeugende Maßnahmen

CredoWeb im Interview mit Experten & Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie & Gefäßmedizin Prof. Dr. med. Thomas Gremmel

 

CredoWeb: Was versteht man eigentlich unter der Blutgerinnung?

 

Prof. Dr. med. Thomas Gremmel:

Unter der Blutgerinnung versteht man jenen lebenswichtigen Prozess, der bei Verletzung eines Blutgefäßes zur Stillung der aufgetretenen Blutung führt.

 

Bei der Blutgerinnung werden die primäre oder zelluläre Blutstillung und die sekundäre oder plasmatische Blutstillung unterschieden.

 

Die primäre bzw. zelluläre Blutstillung erfolgt durch die Blutplättchen (die sogenannten Thrombozyten), die rasch am Ort der Gefäßverletzung aktiviert werden, sich an die verletzte Gefäßwand anheften und miteinander zu einem ersten Blutgerinnsel verbinden.

 

Verletzung


In weiterer Folge kommt es durch das komplexe System der sekundären bzw. plasmatischen Blutstillung zur Bildung von Fibrin, welches als eine Art Klebstoff zwischen den Zellen fungiert und so zu einer Verfestigung des ursprünglich lockeren Blutgerinnsels führt.

 

CredoWeb: Welche Arten von Blutgerinnungsstörungen gibt es & welche Symptome werden durch diese hervorgerufen?

 

Prof. Dr. med. Thomas Gremmel: Es gibt eine große Zahl an unterschiedlichen Störungen der Blutgerinnung. Während manche dieser Störungen zur Bildung von Blutgerinnseln in geschlossenen Gefäßen und damit zu Durchblutungsstörungen führen, können andere eine Beeinträchtigung der Blutgerinnung mit resultierender Blutungsneigung bewirken.

 

Die Symptome von Durchblutungsstörungen hängen davon ab, welches Organ und welche Gefäße betroffen sind:

 

  • Sind die herzversorgenden Arterien (die sogenannten Herzkranzgefäße) betroffen, so kommt es meist zu Schmerzen im Bereich des Brustkorbs im Sinne eines Herzinfarkts.
  • Sind die Beinarterien betroffen, so ist das betreffende Bein kalt und schmerzhaft.
    Wird die Durchblutung in solchen Fällen nicht schnell wiederhergestellt, treten             irreparable Gewebsschädigungen auf. Letztere können zu Herzschwäche, dem Verlust des betroffenen Beins sowie häufig auch zum Tod führen.

  • Bei einem Beinvenenverschluss (einer sogenannten Beinvenenthrombose) kommt es zur starken Schwellung des Beins.
    Die Beinvenenthrombose birgt zudem das Risiko, dass Teile des Gerinnsels in der Blutbahn verschleppt werden und letztlich in der Lunge hängenbleiben.
    In diesem Fall spricht man von einer Lungenembolie, die typischerweise mit Atemnot und Brustschmerzen einhergeht, und tödlich enden kann.

Herzinfarkt

 

  • Beim Vorhofflimmern kommt es zum Stillstand des Blutes in einem Teil des linken Herzvorhofs. Dadurch kann eine Gerinnselbildung ausgelöst werden, die zur Entstehung eines Blutpfropfs im Herzen führt. Wird dieser in der Blutbahn verschleppt, so resultiert daraus vielfach ein Schlaganfall.
  • Eine Blutungsneigung dagegen kann sich durch das spontane Auftreten von Blutungen in allen Körperregionen äußern.
    Besonders gefährlich sind Blutungen innerhalb des Schädels, da hier schon kleine Blutmengen durch den Druck auf das Hirngewebe zu schweren Schädigungen bis hin zum Tod führen können.


 

CredoWeb: Welche Ursachen können Gerinnungsstörungen haben & kann man diesen vorbeugen?

 

Prof. Dr. med. Thomas Gremmel: Vielfach liegen Gerinnungsstörungen angeborene Defekte der Blutgerinnung oder andere Erkrankungen zugrunde.

Darüber hinaus spielt jedoch der Lebensstil eine wichtige Rolle:

Insbesondere Rauchen fördert die Entstehung von Blutgerinnseln und erhöht somit die Gefahr von Durchblutungsstörungen sowohl der Arterien als auch der Venen.

 

Weitere wichtige Risikofaktoren für das Auftreten von Beinvenenthrombosen sind langes Sitzen und Liegen sowie eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme.

 

Flugzeug

 

Vorbeugende Maßnahmen sind dementsprechend der komplette Verzicht auf Zigaretten und regelmäßige körperliche Betätigung.

 

In Phasen, wo eine längere Immobilisation nicht vermieden werden kann - beispielsweise nach einem operativen Eingriff - sollte eine medikamentöse Thromboseprophylaxe verabreicht werden.

Patienten, die bereits einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, benötigen eine blutplättchenhemmende Therapie.

Patienten mit Vorhofflimmern, die ein erhöhtes Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels aufweisen, sollten prophylaktisch eine blutverdünnende Therapie erhalten. 

 

CredoWeb: Bei welchen Herz-/Kreislauferkrankungen gibt es einen Zusammenhang mit der Blutgerinnung?

 

Prof. Dr. med. Thomas Gremmel:

Die Blutgerinnung spielt generell bei Herz-/Kreislauferkrankungen eine oftmals entscheidende Rolle.

 

Von ganz besonderer Bedeutung ist sie - wie oben im Detail geschildert – bei

 

  • Beinvenenthrombose,
  • Lungenembolie,
  • Herzinfarkt,
  • Schlaganfall und
  • Vorhofflimmern.

 

 

Interview: Christina Neumayer/CredoWeb

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