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Der Weg zum Wunschkind: Künstliche Befruchtung - IVF und ICSI

Der Weg zum Wunschkind: Künstliche Befruchtung - IVF und ICSI

CredoWeb im Fachinterview mit Dr. Julian Marschalek, Facharzt für Gynäkologie & Geburtshilfe und Stellvertretender Leiter der IVF-Ambulanz an der Klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Meduni Wien

Zirka 10 bis 15 Prozent aller Paare sehen sich mit einem unerfüllten Kinderwunsch konfrontiert – und der Prozentsatz ist steigend: einerseits aufgrund eines höheren mütterlichen Alters beim ersten Kind, andererseits weil die Samenqualität der Männer in den letzten Jahren in zunehmendem Maße abgenommen hat und weiter abnimmt.

 

Bei vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch stellt sich im Zuge der gynäkologischen Abklärung heraus, dass eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege sehr unwahrscheinlich oder gar unmöglich ist. Diesen Paaren kann oftmals mit einer künstlichen Befruchtung - der sogenannten In- Vitro- Fertilisation (IVF) oder einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) - geholfen werden, um sich den Wunsch nach einem eigenen Kind zu erfüllen.

ICSI Methode
https://www.kinderwunsch-institut.at

 

 

Bei der künstlichen Befruchtung werden die Eizellen nach Entnahme aus dem Eierstock mit dem Samen des Partners außerhalb des Körpers, also in vitro, vereint. Dies kann dann entweder – wie von der Natur vorgesehen – von selbst erfolgen, wobei eine Samenzelle die Eizelle ohne weitere Hilfestellung befruchtet (IVF), oder es wird eine Samenzelle mittels einer mikroskopisch-feinen Injektionsnadel direkt in die Eizelle eingebracht und diese damit befruchtet (ICSI).

 

Im Allgemeinen geht der künstlichen Befruchtung eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke voraus. Diese Injektionsbehandlung führt dazu, dass sich im Eierstock der Frau mehrere Eibläschen bilden, die – wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben – im Rahmen der Follikelpunktion entnommen werden. Diese Eizellentnahme erfolgt ultraschallgezielt über die Scheide, und kann auf Wunsch auch in Narkose erfolgen, wobei in den meisten Fällen eine nur leichte Sedierung als völlig ausreichend empfunden wird.

Wenige Tage nach der Befruchtung der Eizelle erfolgt der Embryotransfer; hier werden dann ein bis zwei, in ganz seltenen Fällen auch drei Embryonen in die Gebärmutter eingebracht. Prinzipiell gilt – je höher die Anzahl der transferierten Embryonen, desto höher die Schwangerschaftsrate, aber auch: desto höher die Mehrlings-Schwangerschaftsrate! Die Empfehlung zur Anzahl der zu transferierenden Embryonen wird durch zusätzliche Prognosefaktoren (Alter der Patientin, Embryoqualität, Anzahl der vorausgegangenen erfolglosen Versuche, etc.) bestimmt und ist durch Empfehlungen mehrerer Österreichischer Fachgesellschaften geregelt, wobei auf Wunsch des Paares natürlich auch immer weniger Embryonen transferiert werden können.


Bei welchen Paaren wird die ICSI- Methode empfohlen?

Eine Indikation für die ICSI besteht, wenn die Samenqualität deutlich eingeschränkt ist, sprich wenn nicht zu erwarten ist, oder Zweifel besteht, dass der Samen die Eizellhülle erreichen oder durchdringen kann. Dies ist der Fall, wenn der Samen eine Vielzahl von morphologischen Störungen aufweist; das sind zum Beispiel äußerliche Veränderungen der Kopf- oder Schwanzform der Samenzellen, oder auch wenn der Samen in seiner Bewegungsfähigkeit oder Menge deutliche Einschränkungen aufweist.

 

Wir wenden die ICSI Methode aber auch aus anderen Gründen an: beispielsweise, wenn im Rahmen von Vorversuchen und trotz ausreichender Samenqualität keine Befruchtung der Eizellen erzielt werden konnte oder bei bestimmten Erkrankungen wie einer fortgeschrittenen Endometriose.

ICSI Methode
https://www.kinderwunschzentrum.ch

 

 

Gibt es neue Erkenntnisse in den Behaldungsoptionen?

Die Reproduktionsmedizin ist ein sehr junges Fachgebiet in der Medizin – wir wissen im Allgemeinen noch sehr wenig über die extrem komplexen Mechanismen, die bei der Befruchtung oder der Implantation des Embryos eine Rolle spielen. Geforscht wird in diesem Bereich sehr viel und das in mannigfaltige Richtungen: manche Forscher konzentrieren sich primär auf den Embryo, dessen Entwicklung und Genetik, andere legen ihr Hauptaugenmerk auf die Schleimhaut der Gebärmutter, wiederum andere erforschen modifizierte Stimulationsprotokolle oder neue Medikamente. 

 

In diesem Kontext wird natürlich auch versucht, den Behandlungsprozess für Patientinnen angenehmer zu gestalten. Sie müssen sich vorstellen, dass sich Frauen im Rahmen einer Sterilitätsbehandlung mehrmals am Tag zu bestimmten Zeiten Injektionen geben müssen. Seit einiger Zeit sind Wirkstoffe auf dem Markt, die nach einmaliger Injektion einen Wirkspiegel aufbauen, der eine Woche anhält. Wenngleich diese Wirkstoffe vielleicht nicht für jede Frau bestens geeignet sind, so sehr geht hier die Forschung natürlich in die richtige Richtung.

Studien zu einem weiteren Wirkstoff zum Schlucken statt zum Spritzen erwarten wir Reproduktionsmediziner mit Spannung...

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