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Schnarchen bei Kindern: nicht immer harmlos

Schnarchen bei Kindern: nicht immer harmlos

Etwa sieben Prozent aller Kinder schnarchen. Diese geräuschvolle Begleiterscheinung beim Schlafen kann unterschiedliche Ursachen haben.


Im Kindesalter ist eine Abklärung mit einem Facharzt besonders anzuraten, da eine funktionierende Nasenatmung von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Kindes ist. Doch ab wann spricht man eigentlich von Schnarchen? Als "Schnarchen" wird ein deutlich hörbares, in mindestens vier von sieben Nächten auftretendes Atemgeräusch bezeichnet. Es kann in unterschiedlicher Weise auftreten, so etwa:

  • gleichmäßig (das so genannte "primäre Schnarchen") oder
  • wechselhaft (typisch für das so genannte OSAS = "Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom"): Diese Kinder schnarchen und haben dabei nachweisbare Atempausen.

Gründe des Schnarchens
Bei Säuglingen und Kleinkindern können leichte Schnarchgeräusche auf Grund einer noch nicht vollständig entfalteten Schleimhautfalte im Rachen auftreten. Dieses Schnarchen ist unbedenklich und geht in der Regel nach einiger Zeit vorüber. Auch Kinder, die sich eine Infektion der Atemwege (Erkältung, Schnupfen) zugezogen haben, können zeitweise schnarchen, dies erfordert vorerst keine weitere Abklärung, sollte aber gut beobachtet werden.

 

Wenn Kinder ohne Erkältung schnarchen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und häufige Infekte der oberen Atemwege bei ihnen auftreten, sollten Eltern einen Arzt zu Rate ziehen. Es könnte das Schlafapnoe-Syndrom vorliegen.


Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom setzt die Atmung des Kindes vorübergehend für mindestens 10 Sekunden aus. Laut Schätzungen leidet jeder fünfte kindliche Schnarcher unter Schlafapnoe. Schnarchen und damit die Atemstillstände sind meistens durch eine zu starke Erschlaffung der Zungen- oder Gaumenmuskeln oder durch vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln bedingt. Die Atemaussetzer, die bei Kindern bis zu 20 Sekunden dauern können, machen einen Tiefschlaf unmöglich. Durch die Atemstillstände sinkt zudem der Sauerstoffgehalt im Blut.
 
Symptome einer Schlafapnoe
Die Folgen des verkürzten Tiefschlafes und des verminderten Sauerstoffgehaltes sind gravierend: Aggressivität, Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche sind ein kleiner Auszug aus der langen Liste der Symptome bzw. Folgeerscheinungen:

 

  • Schnarchen
  • Unruhiger Schlaf
  • Schwitzen im Schlaf
  • Morgendliche Mundtrockenheit
  • Untergewicht und Minderwuchs
  • Tagesschläfrigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Lustlosigkeit
  • Hyperaktivität
  • Aggressivität
  • Konzentrationsschwäche
  • Infektionsanfälligkeit

HNO-Arzt und Schlaflabor

Zur Abklärung des nächtlichen Schnarchens untersucht der Arzt, ob im Nasenraum eine Verengung vorliegt. Außerdem werden von einem HNO-Spezialisten die Mandeln (Tonsillen) untersucht und beurteilt, ob diese vergrößert sind. Ebenso werden Rachen und Kiefer in die Diagnostik mit einbezogen, um Anomalien auszuschließen. Eine Untersuchung im Kinderschlaflabor kann Aufschluss über die Schlafarchitektur, nächtliches Aufwachen und die Länge der Atemaussetzer geben und ob die Kinder genügend Sauerstoff bekommen.


Behandlungsoptionen bei Schlafapnoe
Oftmals sind vergrößerte Mandeln oder Polypen die Ursache für die Schlafstörung. Ein operativer Eingriff kann hier Abhilfe schaffen, sollte aber immer gut überlegt sein, da mit dem Wachstum die Beschwerden oft von selbst wieder verschwinden.

 

Eine Schlafapnoe im Kindesalter kann außerdem mit dem Gewicht des Kindes zusammenhängen. Übergewichtige Kinder leiden häufiger an einer Schlafapnoe als normalgewichtige Kinder. Liegen andere Ursachen, wie etwa eine Kieferfehlstellung oder Anomalien im Kopf-Hals-Bereich vor, können diese mithilfe entsprechender Verfahren (z. B. Kieferkorrekturen) behandelt werden. In seltenen Fällen ist im Kindesalter die Behandlung mit einer Atemtherapiemaske nötig. Diese Maske ist über einen Schlauch mit einem Atemtherapiegerät verbunden, das den Luftdruck erhöht und die regelmäßige Atmung im Schlaf aufrecht hält. Erfahren Sie im Artikel Schlafapnoe (mit Video) mehr darüber.

QUELLEN Urschitz MS et al., Schnarchen bei Kindern: Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen, Monatsschr Kinderheilkd 2013, 161;347-350. (09.10.2019) Lungenärzte im Netz: Schlafapnoe – Besonderheiten bei Kindern (09.10.2019) Initiative Gesunder Schlaf: Schlafstörungen bei Kindern (09.10.2019) Aggressivität, Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche können die Folge von Schlafapnoe bei Kindern sein. (Ermolaev Alexander / Shutterstock.com)

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