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Best Agers haben auch Allergien!

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Foto: Fotolia.com©Monkey Business

 

Nahrungsmittelallergien im Alter, gibt es die?

Die Prävalenz von Atopie im Sinne positiver Hauttestungen und IgE, nimmt im Alter ab. Zu Nahrungsmittelallergien in Älteren gibt es weit weniger Befunde. Eine koreanische Studie in 2417 atopischen PatientInnen berichtete in etwa 50% Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten, davon nur 2,2% IgE-mediierte, die >65 deutlich abnahmen [1]. Ähnlich ist in Europa die Prävalenz von Nahrungsmittelallergien in jungen Erwachsenen zwischen 1-3 % [2], jedoch ohne konkrete Zahlen für Ältere. Ausgehend von den 17 Mio. Älteren in Deutschland, sollten etwa 170.000-500.000 potentielle Nahrungsmittelallergiker zu erwarten sein. Trotzdem bleiben Allergien in höherem Lebensalter unterdiagnostiziert und –therapiert [3].

 

Veränderte Spielregeln. Alterndes Immunsystem

Prinzipiell können Ältere Immunglobuline bilden und deren Titer sind in manchen Studien quantitativ vergleichbar mit jenen der jüngeren Bevölkerung, zumindest IgG und IgM, mit qualitativen Einschränkungen. Auch IgE scheint vom Alterungsprozess wenig betroffen. In alter atopischer Haut wurde eine hohe Expression von IgE an Mastzellen gefunden. Trotzdem bergen Skin Prick Tests bei Älteren die Gefahr falsch negativer Resultate. Serologische IgE-Testung kann daher bei älteren PatientInnen zur Risikoeinschätzung von Nahrungsmittelallergien empfohlen werden. Die mukosale Immunseneszenz resultiert durch Atrophie und reduzierte Schleimproduktion auch in einer Abnahme der IgA-Sekretion. Es fehlen systematische Untersuchungen zum Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien.

 

Exogene Faktoren: Allergene und Medikamente

Die Diagnose und Risikoeinschätzung ist umso wichtiger in Älteren, da sie durch insuffiziente kardiale und pulmonale Funktionen gefährdeter sind. In Hinsicht auf anaphylaktische Reaktionen sind eher Medikamente und Insektengiftallergien als Nahrungsmittel für Ältere bedeutsam, und Co-Medikationen bei bestehender Multimorbidität können als Verstärker eine wichtige Rolle spielen. Die mögliche Interferenz mit dem Immunsystem wird für Amphetamine, Antibiotika und Antiulkus-Therapeutika diskutiert. Beispielsweise hemmen PPIs die Verdauung von harmlosen Proteinen, die dann zu potenten Allergenen auch in älteren PatientInnen werden können [4].

 

Die ältere Bevölkerung ist immer noch eine Randgruppe der Allergologie

Hauttestreaktionen und spezifisches Serum-IgE nehmen ab, IgE an Mastzellen und somit die anaphylaktische Funktion bleiben jedoch erhalten. Durch ihre kardiale und pulmonale Insuffizienzen, sowie Medikationen könnte in der Gruppe der SeniorInnen die Allergiediagnose besonders zur Risikoabschätzung von Nahrungsmittelallergien, aber besonders bedeutsam sein. Dazu empfiehlt sich besonders der Allergenchip, der mit der Testung von über 100 Allergenen ein wichtiges diagnostisches Screening-Instrument ist.

 

 

Literatur

1. Kwon J, Kim J, Cho S, Noh G, Lee SS (2013) Characterization of food allergies in patients with atopic dermatitis. Nutrition research and practice 7 (2):115-121.

2. Muraro A, Hoffmann-Sommergruber K, Holzhauser T, Poulsen LK, Gowland MH, Akdis CA, Mills EN, Papadopoulos N, Roberts G, Schnadt S, van Ree R, Sheikh A, Vieths S, Allergy EF, Anaphylaxis Guidelines G (2014) EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Guidelines. Protecting consumers with food allergies: understanding food consumption, meeting regulations and identifying unmet needs. Allergy 69 (11):1464-1472.

3. Diesner SC, Untersmayr E, Pietschmann P, Jensen-Jarolim E (2011) Food allergy: only a pediatric disease? Gerontology 57 (1):28-32.

4. Untersmayr E, Diesner SC, Bramswig KH, Knittelfelder R, Bakos N, Gundacker C, Lukschal A, Wallmann J, Szalai K, Pali-Scholl I, Boltz-Nitulescu G, Scheiner O, Duschl A, Jensen-Jarolim E (2008) Characterization of intrinsic and extrinsic risk factors for celery allergy in immunosenescence. Mechanisms of ageing and development 129 (3):120-128.

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