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Klinische Allergiestudien im Forschungsinstitut VCC, der Vienna Challenge Chamber

Klinische Allergiestudien im Forschungsinstitut VCC, der Vienna Challenge Chamber

CredoMedia: Herr Prof. Horak, was genau machen Sie in Ihrem Institut?


Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: Im Grunde genommen, ist unsere Provokationskammer in erster Line für die Entwicklung ganz neuer Medikamente da. Vor allem für die frühe Phase, in der versucht wird zu überprüfen, ob die Ergebnisse aus den Tierversuchen auch auf den Menschen übertragbar sind. Darüber hinaus wird überprüft, welche die bereits voll wirksame Dosis ist, mit möglichst wenig Nebenwirkungen. Und zu guter Letzt, wie lange dauert es, bis ein neues Medikament wirkt.

Wir vergleichen auch die Wirksamkeit von verschiedenen Medikamenten. Wenn ein Neues am Markt kommt, wird überprüft, ob es wirklich besser als am Markt befindliche ist. Das System ist also ein System der Grundlagenforschung und der angewendeten klinischen Forschung. Ganz selten, aber doch auch machen wir Untersuchungen in der arbeitsmedizinischen Forschung, beispielsweise wenn ein Pilot nachweisen muss, dass er nicht auf Pollen reagiert. Wenn jemand sensibilisiert ist, mögen zwar alle Haut- und Bluttests positiv sein, das heißt aber noch lange nicht, dass er deswegen klinisch manifeste Beschwerden hat. In einem derartigen Fall können wir das in unserem System beweisen, da wir in dieser Kammer eine natürliche Situation nachstellen können, wie es mitten im Sommer während einer massiven Gräser Pollen Belastung vorkommen würde, oder bei einer Hausstaubmilbenbelastung im Schlafzimmer.


CM: Wie werden die Patienten zugewiesen?

Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: Es handelt sich bei den wissenschaftlichen Untersuchungen ausschließlich um freiwillige Probanden, nicht um Personen die zwecks Hilfe und Rat zu uns kommen, sondern jene von denen wir wissen, dass Sie allergisch sind und bei unseren klinischen Studien mitmachen wollen.


CM: Was bekommen die Probanden?

Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: So wie es die Ethik-Kommission vorschreibt, gibt es für die Zeit und Mühe eine angemessene Aufwandsentschädigung.

 

CM: Kann man sich als Allergiker bei Ihnen melden?

Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: Natürlich, wir schreiben immer wieder an Hochschulen etc. aus, um unsere Probanden zu rekrutieren. Wir haben im Moment rund 4000 Personen in unserer Datenbank, sodass wir jederzeit im Falle einer neuen Studie die richtigen Probanden anschreiben können. Wir haben auf der Website einen eigenen Bereich für Probanden, wo sich die Personen auch selbst über anstehende Studien informieren können. Wir erlauben aber nur eine – maximal zwei Teilnahmen pro Jahr.


CM: Wie kam es zur Vienna Challenge Chamber?

Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: Ich war 42 Jahre auf der MedUni Wien, war Universitätsprofessor und habe bis 2009 dort unterrichtet. Das System wurde von mir mir erfunden und patentiert. Wir haben es in den 80-er Jahren entwickelt und es gibt mittlerweile schon die dritte Generation. Weltweit gibt es bereits 12 Locations in denen diese Kammer nachgebaut wurde.  


CM: Was sind die häufigsten Allergien und welche lösen Asthma aus?

Univ.-Prof.Dr. Friedrich Horak: Von der Häufigkeit her, ist die Gräserpollen die Häufigste, gefolgt von der Hausstaubmilben- und Birkenpollenallergie. Viel weniger häufig sind Katzen- und Insektengiftallergien (Biene und Wespe). Bei uns zu Lande selten, aber in Amerika sehr häufig ist die Ragweed Pollenallergie. Das spezielle an dieser Ragweed Pollenallergie ist, dass sie sehr rasch und dramatisch Asthma-Sympthome auslöst. Häufig Asthma auslösend ist noch die Birkenpollenallerie, die Gräserpollenallergie eher weniger.


 


Vita: Universitätsprofessor Dr. Friedrich Horak ist Gründer und GF. der Research Consult/ VCC (Vienna Challence Chamber). Er hat sich bereits während seines Medizinstudiums und seiner Facharztausbildung an der HNO-Abteilung der Universitätsklinik Wien intensiv mit dem Fachgebiet Allergologie auseinandergesetzt. Als Leiter der HNO-Forschungsabteilung des AKH Wien und des Allergiezentrums Wien West begründete er 1985 in Wien die erste Allergie Provokationskammer weltweit. Das Team um Univ.Prof. Dr. Friedrich Horak, dessen Ziel es ist die medizinische Allergieforschung voranzutreiben, kommt aus den verschiedensten Fachrichtungen wie Medizin, Biologie, Technik und Psychologie.

Das Interview führte Christina Kolin.

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