Artikel

Wie Stresshormone die Entstehung von Fettleibigkeit beeinflussen

Wie Stresshormone die Entstehung von Fettleibigkeit beeinflussen

Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Wien haben herausgefunden, warum Stresshormone wie das Cortisol einen massiven Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben. Sie konnten einen molekularen Mechanismus identifizieren, mit dem die Entstehung von Übergewicht und Diabetes im Alter erklärt werden kann. Die Ergebnisse wurden in "Diabetes" vorgestellt.

"Wir haben dafür in den Fettzellen die Weiterleitung von bestimmten Stresssignalen blockiert und dann beobachtet, wie sich dadurch Zuckerstoffwechsel sowie Fettauf- und -abbau verändern", erklärt Studienleiter Jan Tuckermann. Im Fokus stand dabei die Wirkung von Cortisol, das über einen Glucocorticoid-Rezeptor (GR) wirkt. "Um herauszufinden, wie wichtig die Cortisolwirkung für den Stoffwechsel ist, haben wir diesen GR in den Fettzellen von Mäusen gentechnisch deaktiviert und damit das Cortisol-vermittelte Stresssignal blockiert", erläutert Erstautorin Kerstin Hartmann.

Schließlich wurde untersucht, wie sich die Blockade auf den Stoffwechsel der Mäuse auswirkt, wenn diese auf Reduktionsdiät gesetzt sind.

"Aufgrund der blockierten Stressantwort können diese Mäuse beim Fasten die Energiereserven aus den Fettzellen nicht verwerten. Zum Ausgleich greift der Körper auf andere Energiequellen zurück, was zu einer fundamentalen Störung des gesamten Stoffwechsels führt", so Studienleiter Richard Moriggl.

Ebenfalls analysiert wurde, wenn Mäuse mit blockiertem GR-Rezeptor einer äußerst fettreichen Diät unterzogen werden oder wenn sie einfach nur altern. "Es stellte sich heraus, dass die Mäuse mit blockiertem Stresssignal viel schlanker waren als die jeweilige Wildtyp-Vergleichsgruppe, und zwar sowohl die alten, als auch die besonders fettreich ernährten", berichtet Tuckermann. Dabei waren nicht nur die Fettdepots kleiner, sondern auch die Fetteinlagerung in der Leber deutlich geringer als bei den Mäusen, deren Cortisolsignalweg in den Fettzellen ungehindert funktionierte. Und auch der Zuckerhaushalt der genetisch modifizierten Mäuse hatte sich deutlich verbessert. "Daraus leitet sich im Umkehrschluss ab, dass Stresshormone die Gewichtszunahme beschleunigen und Alterdiabetes begünstigen können", resümieren die Wissenschaftler.

"Wenn es nun gelingt herauszufinden, welche Rolle Stresshormone spielen, die zwischen entzündlichen und metabolischen Prozessen vermitteln, können wir möglicherweise neue Anknüpfungspunkte finden, um über die beteiligten Signalwege krankhaft veränderte Stoffwechselprozesse positiv zu beeinflussen", glaubt Tuckermann.

Quelle: Diabetes (abstract)/APA

Bildquelle: shutterstock

Kommentare