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Mechanismen der frühen Streuung bei Brustkrebs aufgeklärt

Mechanismen der frühen Streuung bei Brustkrebs aufgeklärt

Brustkrebs

Neue Mechanismen der Metastasierung bei Brustkrebs haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM in Regensburg, der Universität Regensburg und der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York entdeckt. Ihre Erkenntnisse publizierten die Gruppen um Christoph Klein (Regensburg) und Julio Aguirre-Ghis (New York) in zwei Artikeln in "Nature".

Die Forscher fanden heraus, dass in der Brustkrebsentwicklung physiologische Prozesse, welche die Expansion und Verzweigung der Milchgänge in der Adoleszenz und der Schwangerschaft steuern, dereguliert und für die Streuung von Tumorzellen umfunktioniert werden. Nach der Streuung nisten sich die Zellen in anderen Körpergeweben ein und wachsen nach weiteren genetischen Veränderungen in den Zielorganen zu lebensbedrohlichen Metastasen heran.

Progesteron spielt eine zentrale Rolle in frühen Läsionen

Weiters wurde gezeigt, dass das Progesteron in frühen Läsionen, auch über indirekte Wirkungen auf andere Zellen, eine zentrale Rolle spielt. In Früh-Stadien der Krebsentwicklung, die durch eine geringe Zelldichte und eine moderate Aktivierung des Onkogens HER2 ausgezeichnet sind, riefen die Progesteron-induzierten Veränderungen eine gesteigerte Migration von Zellen hervor, sowie den Erwerb von Stammzelleigenschaften, die eine wesentliche Voraussetzung für die Metastasengründung sind.

In fortgeschrittenen Tumoren unterdrückt das selbe Hormon die Migration und die Stammzelleigenschaften der Krebszellen. Entscheidend für die Reduktion der Streufähigkeit eines Tumors sind die zunehmende Zelldichte und die starke HER2-Aktivierung, die für das gesteigerte Wachstum verantwortlich sind. Der Wechsel in der Wirkung von Progesteron wird über die Tumorzelldichte und microRNAs vermittelt, die den Rezeptor für Progesteron in der Zelle herunter regulieren.

Fünf Prozent der Krebspatienten entwickeln Metastasen ohne ein Primärtumor

Zudem konnten die Wissenschaftler skizzieren, dass sich im Mausmodell 80 Prozent der gebildeten Metastasen auf frühe Läsionen zurückführen lassen, und dass ihre hauptsächlich am Tiermodell gewonnenen Ergebnisse auch für humane Metastasen relevant sind.

Diese Ergebnisse könnten erklären, warum fünf Prozent der Krebspatienten Metastasen entwickeln, ohne dass ein Primärtumor nachgewiesen werden kann. Es ist vorstellbar, dass Krebszellen, die frühzeitig einen sich entwickelnden Krebs verlassen, an einem anderen Ort erfolgreicher sind als die am Ursprung verbleibenden Geschwisterzellen.

Quelle: Nature (abstract), Nature II/APA

Bildquelle: APA (Ralf Mohr/Fraunhofer ITEM)

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