Veränderung der Arbeitsanforderungen im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit und Multitasking
Veränderung der Arbeitsanforderungen im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit und Multitasking
Veränderung der Arbeitsanforderungen im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit und Multitasking
CredoMedia - Medizin Aktuell
CredoMedia - Medizin Aktuell
Themenseite
Veränderung der Arbeitsanforderungen im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit und Multitasking

Veränderung der Arbeitsanforderungen im Zeitalter ständiger Erreichbarkeit und Multitasking

Mit zunehmender Arbeitslast und Beschleunigung verändern sich auch die Arbeitsanforderungen. Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden? Diese Frage beantwortete Dr. Gerhard Klicka im Rahmen seines Vortrages bei dem Psychiatrie-Fachtag in Wien (16.12.2016).

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich unser Arbeitsleben rasant verändert. Digitalisierung und Globalisierung ermöglichen vieles, sind aber mit neuen Herausforderungen verbunden. Mit der Veränderung der Arbeitsanforderungen sind Arbeitsunfälle im klassischen Sinne fast verschwunden, dafür nehmen psychische Belastungen immer mehr zu. Unser Arbeitsalltag wird zunehmend von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (Smartphones, Laptops, Tablets etc.) geprägt, welche es uns erlauben auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit für dienstliche Belange erreichbar zu sein. Aber nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die allgemeine Arbeitsverdichtung und die grundlegende Beschleunigung des (Arbeits)Lebens, tragen zur ständigen Erreichbarkeit bei, die mittlerweile für Führungskräfte und MitarbeiterInnen selbstverständlich geworden ist.

Alles gleichzeitig: Mythos Multitasking

Mit Arbeitslast und Beschleunigung gewinnt Multitasking an Bedeutung. Der Begriff bezeichnet das gleichzeitige Erledigen von Aufgaben, in der Hoffnung diese somit schneller zu erledigen. Allerdings ist unser Gehirn nicht in der Lage, tatsächlich zwei Aufgaben gleichzeitig zu erledigen – stattdessen wird die gleichzeitige Arbeit an mehreren Aufgaben als Energie raubend erlebt und kann zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust führen. Wir können uns nur mit einer Sache richtig auseinandersetzen, die anderen Sachen schlüpfen in Wirklichkeit wie in einem Flaschenhals durch.

Darüber hinaus kann diese Flexibilität in manchen Fällen böse enden (z.B. Telefonieren beim Autofahren). Die laufende Beschallung führt zur Selbsttäuschung. Facebook, Twitter & Co wiegen uns in Sicherheit in einer sozialen Gruppe integriert zu sein, doch die Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen. Dieser Draht zwischen sich und den Anderen führt zu einem Verlust, was man wirklich braucht. Es gibt nur wenige Berufsgruppen, die digitale Medien nicht benötigen, die ständigen Veränderungen in der digitalen Welt führen zu Verunsicherungen, zu existentiellen Ängsten, wie es weitergeht. Es ist eine Falle, die zu Erschöpfung und Verzweiflung, bis hin zum Burnout führen kann. Die Hauptquelle ist die Mehrfachbelastung. Da Multitasking nicht funktioniert, gilt es Strategien zu finden, wie wir uns von den Medien abgrenzen können, die Dissonanz und Stress auslösen.

Ständige Erreichbarkeit: Pros und Contras

Heute sollen ArbeitnehmerInnen ständig erreichbar sein und mitunter auch in der Nacht an Telefonkonferenzen teilnehmen. Es gibt kaum mehr Puffer- oder Stehzeiten, der Arbeitsalltag ist bis aufs Kleinste durchgetaktet. Die ständige Arbeitsverdichtung führt zur Entgrenzung. ArbeitgeberInnen entziehen sich somit der Fürsorgepflicht und der Führungsverantwortung. Dabei zu sein ist gut, aber nicht immer und überall.

Immer häufiger geben MitarbeiterInnen an, unter der ständigen Erreichbarkeit sowie der Informationsüberflutung zu leiden. Es wird als häufige Ursache für berufsbedingten Stress gesehen. Tatsächlich belegen Studien einen direkten Zusammenhang zwischen ständiger Erreichbarkeit und psychischen Belastungen. Langfristig gesehen können Multitasking und Dauerverfügbarkeit zu Leistungseinbußen, erhöhter Fehleranfälligkeit oder Konzentrationsstörungen führen.

Führungskräfte sollen deshalb in einem Unternehmen vorleben, wie man „fit“ bleibt, Pausen einführen, eine Auszeit von 5 – 10 Minuten nehmen. Kurzpausen sind ein ganz wichtiger Faktor, um gesund zu bleiben. Darüber hinaus sollte die Eigenverantwortlichkeit geschärft werden, Freizeit bewusst gestalten, Entschleunigungsoasen schaffen und den richtigen Umgang mit neuen Technologien lehren. Leitungsverantwortliche sollen neben dem Unternehmenswert Produktivität auch den Unternehmenswert „Gesundheit“ in ihr Unternehmen einführen.

Auch Vorteile ergeben sich durch die veränderten Arbeitsbedingungen – unter anderem werden eine flexiblere Zeiteinteilung sowie ein ortsunabhängiges Arbeiten möglich. Dadurch können Arbeit und Freizeit besser vereinbart werden. Die Möglichkeiten verlocken uns allerdings auch während der Freizeit kurz die E-Mails zu checken. Um den Trend der ständigen Erreichbarkeit entgegen zu wirken, bedarf es einerseits Handlungen seitens der Unternehmen und andererseits auch Eigenverantwortung und bewussten Umgang mit IKT seitens der MitarbeiterInnen.

ANHÄNGE

Vortrag Dr. Gerhard Klicka beim Fa...

Kommentare