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Rheuma und Sport

Rheuma und Sport

Rheumapatienten fürchten häufig, dass Sport Krankheitsschübe auslösen bzw. die Gelenke noch mehr schädigen könnte – ist das ein Fakt oder ein Mythos?

Das ist eindeutig ein Mythos – wenn Bewegung und Training richtig dosiert sind, werden sicherlich keine Krankheitsschübe ausgelöst. Im Gegenteil – durch ein Trainingsprogramm haben Rheumapatienten sogar weniger Schübe und Entzündungen in den Gelenken. Wichtig dabei ist nur die richtige Dosierung und die regelmäßige Durchführung des Trainings.

Welche Sportarten werden im Rahmen der sogenannten „medizinischen Trainingstherapie“ konkret empfohlen und was sollen Patienten dabei beachten?

Prinzipiell wird in der medizinischen Trainingstherapie einerseits ein Ausdauertraining und andererseits ein Krafttraining empfohlen. Beim Ausdauertraining, das grundsätzlich zwei- bis dreimal wöchentlich durchzuführen ist, sollten mit dynamischen Sportarten möglichst viele Muskelgruppen auf einmal bewegt werden. Besonders günstige und empfehlenswerte Sportarten für Rheumapatienten sind das Nordic Walking bzw. normales Gehen, das Radfahren sowie eventuell langsames Laufen. Und beim Krafttraining wird die Muskulatur ein- bis zweimal in der Woche mit Gewichten auftrainiert.

Somit stärkt das Ausdauertraining das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel und die Kraftübungen sorgen für die Beschleunigung des Muskelwachstums. Gerade für Rheumapatienten ist beides wesentlich, da es aufgrund der chronisch-entzündlichen Erkrankung sehr häufig zu einem Muskelschwund kommt und die einzige Möglichkeit die Muskultaur aufzubauen nämlich ein regelmäßiges Krafttrainingprogramm ist. Im Endeffekt sollten Rheumapatienten nicht nur medikamentös gut behandelt werden, sondern auch regelmäßig an einem Bewegungsprogramm teilnehmen, um leistungsfähig zu bleiben und die Alltagsaktivitäten zu bewerkstelligen.

Obwohl aktive Bewegung offensichtlich gut sein sollte, klagen viele Rheumapatienten über Schmerzschübe nach dem Sport – wie erklären Sie sich das?

Grundsätzlich wird vor Beginn eines Trainingsprogramms eine sportmedizinische Untersuchung empfohlen – dabei wird auch ein Belastungs-EKG durchgeführt und somit wird das Trainingsprogramm ganz genau eingestellt. Wenn man mit der richtigen Intensität trainiert, kann es weder zu Muskelschmerzen noch zu Muskelkater kommen.

Und gibt es Sportarten, die eher zu vermeiden sind? Kann aktive Bewegung mit Risiken für Rheumapatienten verbunden sein?

Ja, manche Sportarten sind bei entzündeten Gelenken nicht so günstig – problematisch sind beispielsweise intensive Ballsportarten wie etwa Fußball oder Tennis. Grundsätzlich können alle Sportarten, bei welchen man sehr schnell beschleunigt und wieder schnell abbremst, für die Gelenke sehr unangenehm sein, deshalb ist hier auf jeden Fall eine Rücksprache mit dem betreuenden Sportarzt notwendig.

Welche Rolle nimmt Sport als Ergänzung im Rahmen der herkömmlichen rheumatologischen Therapie ein?

Die medizinische Trainingstherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der rheumatologischen Behandlung, unter anderem weil sich Rheumapatienten in der Regel aufgrund der Gelenkschmerzen immer weniger bewegen – somit ist ein regelmäßiges Trainingsprogramm die einzige Möglichkeit, Patienten mit Rheuma fit für den Alltag und leistungsfäiger zu machen.

Gilt für Kinder und Jugendliche mit Rheuma dasselbe oder sollen sie lieber auf Sport verzichten?

Kinder und Jugendliche mit Rheuma sollten auch unbedingt an einem Sportprogramm teilnehmen – chronisch kranke Kinder sollten keinesfalls ständig geschont oder beispielsweise aus dem Turnunterricht herausgenommen werden. Im Gegensatz dazu sollten sie unbedingt mitmachen, wobei bei Rheumaschüben sowohl Erwachsene als auch Kinder mit Rheuma eine Trainingspause für die Dauer des Schubes einsetzen sollen. Wenn er vorbei ist, sollten Rheumapatienten unbedingt wieder trainieren.

Redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva

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