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Nesselsucht (Urtikaria) - Symptome, Ursachen und Therapie der Hautkrankheit

Nesselsucht (Urtikaria) - Symptome, Ursachen und Therapie der Hautkrankheit

Woran erkenne ich, dass es sich um Urtikaria handelt? Symptome, Beschwerden, wie lange dauern diese normalerweise?

Sie ist durch Juckreiz und ein sehr wechselndes Bild gekennzeichnet. Es treten sogenannte Quaddeln auf, das sind beetartige Erhabenheiten der Haut. Die Quaddeln können nur einige Milimeter im Durchmesser, aber auch bis zu handflächengroß werden. Sie bilden sich meist innerhalb von 3-4, spätestens nach 24 h wieder zurück.  Häufig gekoppelt mit den Quaddeln an der Haut sind  Schwellungen in tieferen Schichten der Haut und des Unterhautfettgewebes (Angioödem). Diese Schwellungen können aber auch isoliert, also ohne Quaddeln an der Haut auftreten. Vor allem an den Stellen, an denen das Gewebe generell sehr locker ist, wie der Region um die Augen, aber auch im Bereich des Gaumensegels oder des Kehlkopfes kann dies zu beträchtlichen Schwellungen oder auch zu lebensbedrohlichen Beschwerden (Atembehinderung) führen. Diese tiefer gelegenen Schwellungen bleiben meist länger bestehen.

Vereinfacht erklärt, kommt es durch sogenannte „Trigger“ (Auslöser)  zur Histaminfreisetzung aus den Mastzellen und dadurch zu stärkerer Gefäßdurchlässigkeit mit Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, welche zu den Quaddeln in der Haut, bzw zu den Schwellungen in tieferen Hautschichten führt.

 

Worin unterscheidet sich die chronische Form?

Heute unterscheidet man zwischen spontanen und  - durch Reize - auslösbaren (induzierbaren) Urtikariaformen.  Je nach Ursache  äußert sich die Urtikaria mit einem einzigen, mehreren oder immer wieder kehrenden Schüben. Als willkürliche Trennlinie zwischen akuter und chronischer Urtikariaform wird eine Dauer der Krankheitsaktivität von 6 Wochen angesehen. Die chronische Urtikaria  kann Jahre bis Jahrzehnte dauern.

 

Welche sind die häufigsten Ursachen (Allergen), die Urtikaria verursachen?

Die Zuordnung zu einer bestimmten Ursache ist häufig nicht möglich; bei ca. der Hälfte der akuten und mindestens zwei Drittel der chronischen Urtikariafälle  bleibt die auslösende Ursache unklar. Die Urtikariafälle, die geklärt werden können, fallen meist in eine der folgenden Kategorien:

Akute, spontane Urtikaria ausgelöst durch:

  • Akute, virale oder bakterielle Infekte (meist Infekte der Atemwege, des Magen-Darmtraktesoder Harnwegsinfekte),
  • Medikamente wie Acetylsalicylsäure („Aspirin“)
  • Nahrungsmittel

Gerade bei einem einmaligen Ereignis kommen oft mehrere Faktoren, wie Infekt, Nahrungsmittel und evtl. auch die Einnahme eines Medikamentes zusammen. Hier ist eine weitere Abklärung nicht unbedingt erforderlich.

Chronisch-spontane Urtikaria ausgelöst durch:

  • chronische Infekte wie Helicobacter-Infektion des Magens, Streptokokkeninfekte, Yersinien (Bakterien, die u.a. vor allem zu Darminfektionen führen) oder Parasiten
  • „Autoreaktivität“ – der Körper „reagiert“ gegen körpereigene Stoffe (z.B. Schilddrüse)
  • Medikamente
  • Nahrungsmittelzusätze

Die auslösbare Urtikaria wird meist durch physikalische Reize hervorgerufen, wie scherende Kräfte, Kälte, lokaler Druck, lokale Hitze, UV Licht, sichtbares Licht oder Wasser.

 

Wie wird die Diagnose gestellt (Hauttest)?

Die Diagnose der Urtikaria wird rein klinisch also nur durch das Erscheinungsbild  vom Dermatologen gestellt. Um die Diagnose einer Urtikaria stellen zu können, sind keine weiteren Hilfsmittel notwendig.

Schwieriger ist die Feststellung der auslösenden Ursache:

Zunächst muss eine sehr sorgfältige Anamnese bezüglich möglicher Auslöser durchgeführt werden. Wenn  dadurch keine spezielle Ursache gefunden wird, sollte ein Beschwerdetagebuch  geführt werden, in welchem jegliche Nahrungszufuhr, eingenommene Medikamente, mögliche Infekte und körperliche Aktivitäten aufgezeichnet werden sollten.

Die weitere Abklärung hängt vom Typ der Urtikaria ab, und betrifft die Suche nach der Ursache (Blutbildkontrolle mit Entzündungsparametern, Suche nach Autoantikörpern – z.B Antikörper gegen Schilddrüsengewebe), Stuhluntersuchungen auf Parasiten und zeitweise auch  Suche nach spezifischen IgE- Antikörpern im Blut bei Verdacht auf eine allergische Reaktion (z.B. auf Nahrungsmitteallergene). Eindeutige Nahrungsmittelallergien sind allerdings vergleichsweise selten und werden zu häufig als Auslöser einer Urtikaria verdächtigt.

 

Therapie-Optionen, Betreuung, Lifestyle Tipps…

Bei der akuten (spontanen) Urtikaria  reicht meist die Behandlung mit Antihistaminika aus, diese vermindern die Wirkung des freigesetzten Histamins. Manchmal muss bis auf das 4-fache der ursprünglich empfohlenen Dosis erhöht werden, zeitweise muss auch ein Kortisonpräparat in Tablettenform oder über die Vene – im Falle von bedrohlicheren Situationen-gegeben werden.

Da die chronische Urtikaria oft Jahre bestehen bleiben kann und zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität und Minderung von Arbeitsfähigkeit bzw. Schulfähigkeit führen kann, ist eine adäquate Therapie unbedingt notwendig. 

Bei der chronischen (spontanen) Urtikaria wird neben dem Versuch, die auslösende Ursache herauszufinden, stufenweise vorgegangen: Zunächst werden Antihistaminika in der Standarddosierung (also meist 1x täglich) gegeben, bei Fortbestehen der Symptome nach zwei Wochen kann bis auf die 4-fache Dosis gesteigert werden; nach weiteren 1-4 Wochen wird bei weiterem Bestehen der Symptome ein zusätzliches Medikament verabreicht. Dies kann entweder Omalizumab, ein relativ neu entwickelter Antikörper gegen Immunglobulin E sein. Weiters wäre auch die Gabe von Cyclosporin, einem  Immunsupressivum, welches die Funktion des Immunsystems vermindert, oder von  Montelukast, einem entzündungshemmenden Wirkstoff, der eigentlich  in der  Asthmatherapie und zur Behandlung des Heuschnupfens eingesetzt wird, möglich.

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