Paarbeziehungen - Liebe und Krieg zwischen Frau und Mann
Paarbeziehungen - Liebe und Krieg zwischen Frau und Mann
Paarbeziehungen - Liebe und Krieg zwischen Frau und Mann
Margit Czesany-Primus
Margit Czesany-Primus
Gesundheitsexpertin
Paarbeziehungen - Liebe und Krieg zwischen Frau und Mann

Paarbeziehungen - Liebe und Krieg zwischen Frau und Mann

Was erwarten Frauen und Männer heutzutage von Beziehungen, um im Alltag gemeinsam zu bestehen? Tipps und Ratschläge einer Expertin!

Woran scheitern Paarbeziehungen im Alltag?

Nicht nur im Alltag kommen Paare ins "Schleudern", sondern auch im Urlaub steht die Beziehung auf einer Bewährungsprobe. Die Scheidungsraten schnellen nach der Urlaubszeit in die Höhe. Man hat zu hohe Erwartungshaltungen, man hört und schaut genauer hin und sieht und hört Dinge, die einem nicht gefallen. Alltag heißt Routine, das erzeugt Distanz d.h. man verliert die Intimität, die Nähe,man kommuniziert im Vorübergehen. Man wird von der Lebensgemeinschaft zur Funktionsgemeinschaft, In einer ausgewogenen Beziehung besteht eine gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz. Zuviel Nähe beschneidet die Autonomie, schränkt ein und erschwert die Persönlichkeitsentwicklung. Wenn im Alltag, der immerhin auch 24 Stunden hat, die emphatische Hinwendung zum Du nicht mehr stattfindet, kann es tatsächlich zur Entfremdung kommen, d.h. die Bindung zum Partner geht verloren. Es ist darauf zu achten, dass die qualitätvolle, zuwendende, achtsame, respektvolle, wertschätzende, aber auch kritikfähige Kommunikation nicht abreißt und die persönlich, nicht über die Medien. Und bitte täglich!!!! Dafür muss man ja nicht Stunden anberaumen. Quality Time für die Partnerschaft einplanen! Und ich lasse es nicht gelten keine Zeit zu haben, das heißt doch nur, dass man andere Prioritäten hat! Vielleicht einmal den Medienkonsum überdenken, aber auch durchaus nutzen um sich vielleicht was Nettes zu schreiben, und das auch in einer längeren Beziehung.


Was sind die heutigen Probleme im Alltag, die als Paar zu bewältigen sind?

Alltagsprobleme in der heutigen Zeit unterscheiden sich nicht in allen Punkten von denen der Eltern- oder Großelterngeneration. Das Nähe- und Distanzthema, Erziehungsfragen, Geldfragen, unbefriedigende Sexualität sind schon immer problematisch gewesen.

Allerdings durch die Emanzipation und Berufstätigkeit der Frauen, werden auch diese "alten" Themen anders bewertet und gehandhabt. Erziehung, die Budgetierung des Haushalts, die Teilung der Hausarbeit werden heute eher als Teamwork gesehen. Das Wort "eher" habe ich bewusst gewählt, weil es in manchen Partnerschaften noch immer ein Konfliktpotential birgt. Man sollte da immer hinterfragen welche Denk-und Verhaltensmuster aus der Kindheit übernommen wurden. Wenn man diese erkennt, ist eine Veränderung dieser möglich und notwendig. Alte Muster können negativ im Individuum nachwirken und sich in Partnerschaften als destruktiv und kontraproduktiv erweisen. Wie oben erwähnt, sind reflektierte, offene und emphatische Gespräche über die Rahmenbedingungen und das Zusammenleben im Allgemeinen immer wieder zu führen. Und auch nachzujustieren, wenn sich Veränderungen anbahnen: wenn berufliche Veränderungen anstehen, wenn ein Kind geboren wird usw. Wie heißt es so schön, "die einzige Konstante ist Veränderung". Partnerschaft ist immer im Wandel, so wie sich ja auch das Individuum. Eher neue Phänomene sind die manchmal exzessive Nutzung der Medien und eine eher philosophische Frage, unterliege ich dem Konsumdruck und Optimierungsdruck und wie grenze ich Beruf und Privatleben voneinander ab. Alle diese Themen sind in heutigen Partnerschaften zu diskutieren bzw. arrangieren. Vor allem weil das extreme "Zeitfresser" und z.T. unnötige Stressoren sind.
Auch passiert es oft, dass man von der Arbeit oder anderen Stressoren genervt ist und das ins Privatleben trägt. Der Satz: "Liebling, meine miese Stimmung hat nichts mit dir zu tun!" entlastet den Partner sehr, weil oft bezieht der Partner diese miese Stimmung auf sich. In einer Funktionsgemeinschaft, wie ich eine Partnerschaft die unter die Räder des Alltags gekommen ist nenne, kommen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität zu kurz. Der Mann neigt dazu Nähe durch Sexualität wieder herstellen zu wollen und die Frau braucht Nähe um Sexualität zu wollen. Über kurze Auszeiten aus dem Alltag, andere Umgebung, emphatische Kommunikation, Zärtlichkeit, neue sexuelle Experimente kann eine Brücke gebaut werden um auf sexueller Ebene nicht den Anschluss zueinander zu verlieren.

Körperliche Nähe veranlässt die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. 

Wie können Paare Streite vermeiden? Tipps zur Vermeidung von Streit.

Kann eine konfliktfreie Partnerschaft für den Einzelnen überhaupt eine erfüllende, eine lebendige sein? Da hege ich eher den Verdacht, dass da einer seiner Harmoniesucht frönt. 

Basis für eine konfliktarme Beziehung sind ein gut entwickelter Selbstwert beider Partner. Mangelnder Selbstwert bedeutet immer Bedürftigkeit und Abhängigkeit. Der Partner soll, muss die Defizite auffüllen, damit der Selbstwert des anderen steigt.
Mangelnder Selbstwert bedeutet das Eifersucht ein Thema ist, Vorwürfe werden gemacht, es mangelt an Kritikfähigkeit und macht das Zusammenleben sehr schwer. Mangelnder Selbstwert ist in allen Lebensbereichen ein destruktiver "Hemmschuh", und öfter anzutreffen als man glaubt. "Lerne dir alleine zu genügen, damit dein Partner deine Wahl ist und nicht Notwendigkeit!" Also Konflikte in einer Partnerschaft, seine Meinung vertreten, Stellung zu beziehen, Abgrenzung, bis hierher und nicht weiter, sollten als "normal" gelten. Übrigens Reibung erzeugt Wärme. Nur sollte es eine "Streitkultur"geben.
Nie zwischen Tür und Angel und auch nicht wenn schon vorher Stress war, denn dann sind wir im Fight und Flight bzw. Tot stellen Modus. Also von vorneweg zum Scheitern verurteilt. Nie Schimpfwörter verwenden! Und immer bedenken Frauen und Männer kommunizieren anders. Männer bevorzugen klare Ansagen. Ich Tarzan du Jane. Ein Scherz am Rande! Zuhören, den anderen ausreden lassen, öfters fragen " wie meinst du das", erklär es mir genauer. Männer ziehen sich ja auch oft zurück, und Frauen neigen dazu zu drängen. Wenn die Frau nicht so insistierend drängt bleibt der Mann gesprächsbereit. Versuchen auf der Sachebene zu bleiben. Ich- Botschaften senden! z. B. statt " Nie räumst du den Geschirrspüler aus! " Ich würde mich freuen, wenn du den Geschirrspüler ausräumen würdest. Das würde mich entlasten, ich habe momentan viel um die Ohren. oä., also eigene Gefühle beschreiben. Nachfragen, aktiv zuhören! Wenn ich mit meinem Mann manchmal heftig aneinandergerate und wir uns in Vorwürfen und Gegenvorwürfen verlieren (auch ich habe noch nicht ausgelernt und lass mich von alten Mustern überwältigen) sag ich cut mach mit meiner Hand auch das Time Out Zeichen und wir beenden abrupt den Streit. Stunden später oder am nächsten Tag wissen wir manchmal gar nicht mehr warum wir gestritten haben.

Aber nie "böse" aufeinander schlafen gehen, eine wortlose Umarmung schafft wieder Nähe. Um eine erfüllende, befruchtende, liebevolle, verbindende, wohltuende Partnerschaft zu führen heißt es immer im Gespräch zu bleiben. 

Und falls es in der Partnerschaft unrund läuft und Konflikte anhalten, empfehle ich eine Paartherapie. Manchmal reichen wenige Coachingstunden um sich miteinander wieder wohl zu fühlen! 

 

 

Interview geführt von Mag. Christina Sorgmann (Credoweb)

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