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Depression - Ursachen, Symptome, Tipps von einer Expertin

Depression - Ursachen, Symptome, Tipps von einer Expertin

Zur Person: Margit Czesany- Primus ist dipl. psychologische Beraterin, Coach und Trainerin mit eigener Praxis in Graz. 2015 schloss sie ihre Ausbildung an der EALP (Europäische Akademie für Logotherapie und Psychotherapie) mit der Abschlussarbeit zum Thema „Gibt es einen freien Willen? Der freie Wille aus der Sicht der Neurowissenschaften, der und das Menschenbild Viktor E. Frankls“ ab.

 

Vorweg muss gesagt werden, dass je nach Schweregrad eine Depression eine lebensgefährliche Erkrankung ist.

Wie äußert sich eine Depression? Woran unterscheidet sie sich von schlechten Perioden im Leben, die die meisten Menschen haben?

Eine Depression äußert sich sowohl im psychischen, physischen als auch sozialen Bereich. 

Im psychischen Bereich durch Gefühle der inneren Leere, Perspektivenlosigkeit, Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Antriebslosigkeit… Personen haben in Folge ein geringes Selbstwertgefühl sind von Traurigkeit geplagt und haben oftmals sogar Suizidgedanken.

Im physischen Bereich durch Schlafstörungen, Erschöpfungszuständen, Konzentrationsschwierigkeiten, Essstörungen, Magen-Darmbeschwerden, Schwindel und mangelnde Libido.

Im sozialen Bereich geschieht ein Rückzug in eine eigene Welt. Dies führt zu Ehe- und Familienproblemen im Privatbereich und beruflichen Problemen am Arbeitsplatz.

Exkurs Männerdepression: Bei Männern äußert sich die Depression oft in gereiztem Verhalten und Ärgerlichkeit.

Es gibt auch Saisonale Depressionen (wie die Winterdepression) die nur in der lichtarmen Jahreszeit auf. Hauptsymptome hier sind Schläfrigkeit, Lustlosigkeit und Heißhungerattacken (Therapievorschlag hier; u.a. eine Tageslichtlampe 10.000 Lux).

Ein Stimmungstief hängt oft mit einem belastenden Ereignis zusammen. Beispielsweise ein Todesfall, Trennungen oder der Jobverlust. Sobald die Belastung aufhört oder durch vorhandene Ressourcen bewältigt wird, hellt sich die Stimmung auf.

Die Dauer eines Stimmungstiefs ist ebenso zu berücksichtigen. Eine Dauer von 2-3 Wochen sind im Rahmen.

Natürlich können die oben erwähnten Lebensereignisse auch eine Depression auslösen, wenn z.B. eine genetische Prädisposition besteht.

 

Wann zum muss man zum Arzt?

Wenn mehrere Symptome zusammenkommen und die Alltagsbewältigung eingeschränkt ist.

Zuerst sollte der Betroffene den Hausarzt konsultieren, der ihre Anamnese (im Idealfall die ihrer Familie) kennt.

 

Haben Sie den Eindruck, dass Depressionen oft erst spät entdeckt werden (Erfahrung teilen, Beispiele aus der Praxis)?

Mein persönlicher Eindruck…. „ja“. Oft ist man mit dem Henne- Ei- Problem konfrontiert. Es erscheinen andere Erkrankungen vordergründig, z. B. auch Süchte (Alkohol, Medikamente usw.), sind aber manchmal ein Versuch der Selbstmedikation.

Da Depression in unserer " Optimierungs-und Leistungsgesellschaft" als Schwäche gilt, wird sie oft geleugnet und verdrängt. Allerdings sehe ich ein Licht am Horizont, viele " Promis" outen sich und auch die Medien widmen sich vermehrt diesem Thema und holen so die Depression aus der Tabuzone.

Übrigens ein Burn-Out endet in der letzten Phase oft in einer Depression.

 

Auswahl der richtigen Therapie - wann sind Medikamente nötig? Haben diese unerwünschte Nebeneffekte?

Die Therapie hängt natürlich vom Schweregrad der Depression ab. Bei Suizidgefährdung ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Ansonsten ist eine medikamentöse Behandlung in Kombination mit Psychotherapie die übliche Behandlungsweise.

Natürlich kann es wie bei jedem Medikament zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Der Arzt stimmt die Medikation individuell auf den Patienten ab. Psychotherapie ist bei einer Depression jeden Schwierigkeitsgrades zu empfehlen. Untersuchungen mit Hirnscans konnten belegen, dass eine Psychotherapie sogar Veränderungen in der Hirnstruktur bewirken kann.

 

Tipps für eine neue Lebensgestaltung

Sich selbst eingestehen, dass etwas nicht stimmt und Hilfe suchen und annehmen. Ohne Druckgefühl den Lebensstil verändern, Sport (setzt Endorphine frei) treiben, Ernährung dem Lebensstil anpassen, soziale Kontakte pflegen uvm. Es geht darum herauszufinden, welche Bedürfnisse ich habe… was bereitet mir Spaß und das dann auszuüben. Wichtig ist es Auszeiten zu zelebrieren. Zu lernen Gefühle zuzulassen und zu kommunizieren (eine Möglichkeit hier wäre die eines Tagebuchs). Zentral erscheint auch, sich mit der Sinnfrage auseinandersetzen… was macht für mich Sinn?

Zu malen, zu singen oder tanzen… auch Musik kann auch ein Therapeutikum sein, weil sie direkt auf die Emotion wirkt.

 

Margit Czesany- Primus im Interview mit Mag.Christina Sorgmann (Credoweb)

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