Der "Fortschritt" überweist die Hälfte der PatientInnen - Teil 1
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Der "Fortschritt" überweist die Hälfte der PatientInnen - Teil 1

Der "Fortschritt" überweist die Hälfte der PatientInnen - Teil 1

Mag. Dr. Peter Stippl referierte beim Psychotherapie 2.5 Kongress in Graz am 05.10.2017 über die Auswirkungen der hohen Lebenserwartung auf sozialer und psychischer Ebene

Die Geschwindigkeit der Entwicklung nimmt enorm zu

Mit dem bio-psycho-sozialen-Modell werden die Auswirkungen des Fortschritts , so der Psychotherapeut, analysiert. Wobei hier mit "bio" das Körperliche, mit "psycho" das Seelische und mit "sozial" die Auswirkungen des Wechsel- und Zusammenspiels der Menschen gemeint ist.

Die Folgen der Entwicklung werden in vier unterschiedlichen Lebensbereichen untersucht, nämlich dem Lebensalter, der Berufswelt, den Sicherheitssystemen (zB Stress) und den sogenannten "Neuen Zivilisationskrankheiten" (zB Burnout).

Betreffend der Lebenserwartung auf der Bio-Ebene kann man folgendes sagen:

  • zu Beginn der Zeitrechnung wurden Menschen < 30 Jahre
  • zu Beginn der Sterbetafeln für Lebensversicherungen um 1700 wurden wir ca. 32-25 Jahre
  • 1900 ca. 40 Jahre
  • 2017: 3-4 Generationen später werden wir plötzlich 80+ Jahre alt
  • 50% der nach 2015 geborenen werden 100+

Diese Verlängerung der Lebenserwartung hat enorme Effekte auf  sozialen und psychischen Ebenen.

Am Beispiel "Ehe" erkennen wir auf dem sozialen Level, dass die Dauer einer Ehe bis zum Tod sich um das dreifache erhöht hat. Dies hat zur Folge, dass es neue Ehegründe gibt, es die Möglichkeit einer Scheidung gibt und dadurch Patchwork-Familien entstehen und letztendlich die Pensionsversicherung überfordert ist.

Mag. Dr. Stippl zeigt am Beispiel der Scheidungsmöglichkeit, dass dies zu vielen psychischen Belastungen führen kann. Durch scheidungsinduzierte Probleme wie Versagungsängste, Zweifel und Dinge wie zB Alimentationszahlungen entstehen Aggressionen und Depressionen.

Depressives Mädchen

Die Wirkungen des Fortschritts auf sozialem und psychischem Niveau zeigen sich folgendermaßen:

  1. Angst- und Panikstörungen steigen
  2. Stress-Folge-Erkrankungen steigen
  3. Akute Belastungsreaktiones-Erkrankungen steigen
  4. Frühpensionierungen wg. psychischer Diagnosen steigen (bei Frauen über 50%)
  5. Psychopharmaka-Bedarf steigt

Tabletten

Die Sekundärfolgen sind nahezu fatal und äußern sich in der Flucht aus einer schwer bewältigbaren Realität durch Alkohol & Drogen, Verweigerung & Ausstieg, das Aggressionsbewusstsein steigt und die Suizidrate nimmt zu.

Frau allein

Das soziale System ist mit der Situation überlastet, so der Psychotherapeut Mag. Dr. Peter Stippl.

 

Bericht: Christina Neumayer/CredoWeb

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