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Deformitäten der Wirbelsäule: Kyphosen, Lordosen, Skoliosen

Deformitäten der Wirbelsäule: Kyphosen, Lordosen, Skoliosen

Welche sind die Deformitäten der Wirbelsäule?

 

Die Deformitäten der Wirbelsäule werden in Kyphosen, Lordosen und Skoliosen unterteilt. Während die Kyphose die Krümmung der Wirbelsäule nach vorne darstellt, die in erster Linie die Brustwirbelsäule betrifft, wird als Lordose die Krümmung der Wirbelsäule nach hinten bezeichnet, die natürlicherweise im Hals- und Lendenwirbelsäulenbereich auftritt. Als Skoliose bezeichnet man dagegen die unnatürliche Krümmung der Wirbelsäule zur Seite.

 

Wie und warum entstehen Deformitäten der Wirbelsäule?

 

Eine übermäßige Kyphose der Brustwirbelsäule findet man bei einer Erkrankung namens Morbus Scheuermann, die vorwiegend junge Männer in der Wachstumsphase betrifft. Diese äußert sich in erster Linie in Rückenschmerzen, wobei nur in ausgeprägten Fällen eine operative Korrektur erforderlich ist. Nach Wachstumsabschluß besteht in gering bis mäßig ausgeprägten Fällen kein erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen. Während der Morbus Scheuermann in der kaukasischen Normalbevölkerung in unter 10 Prozent der Fälle zu finden ist, weisen laut einer Untersuchung aus dem Jahr 1986 40.5 Prozent der Kanuten, Basketballer, Volleyballer, Judoka und Turner derartige Veränderungen auf. Eine Verschlechterung der radiologischen Veränderungen fand sich bei Sportlern auch noch 5 Jahre nach abgelaufenem Morbus Scheuermann in 80 Prozent der Fälle. Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule treten um 10-20 Jahre früher auf.

 

Im höheren Alter auftretende übermäßige Kyphosen der Brustwirbelsäule sind meistens osteoporosebedingt, entsprechen also Wirbelkörpereinbrüchen als Folge des Knochenschwunds. Davon sind aus hormonellen Gründen hauptsächlich Frauen betroffen.

Übermäßige Lordosen sind meist funktionell bedingt und durch gezieltes Kräftigen verschiedener Muskelgruppen korrigierbar.

 

Und wie sieht es bei der Skoliose aus? Welche Faktoren begünstigen die Erkrankung?

 

In den meisten Fällen entsteht die Skoliose während Wachstumsphasen, sie beruht auf dem ungleichen Wachstum von vorderen und hinteren Anteilen der Wirbelsäule. Eine familiäre Häufung besteht zwar oft, ist aber längst nicht in allen Fällen nachweisbar. Skoliosen im Säuglings-und Kindesalter sind in Anbetracht der oft schlechteren Prognose zum Glück deutlich seltener anzutreffen. Im höheren Alter können Skoliosen in Folge von hochgradigen Abnutzungserscheinungen auftreten.

 

Gehäuft treten derartige Veränderungen auch bei Turnern, Stabhochspringer, Speerwerfern, Basketballspielern, Ruderern und Schützen auf. Naheliegenderweise wird als Ursache die einseitige Rumpfbeanspruchung mehrerer dieser Sportarten diskutiert. Eine Verlaufsuntersuchung von 20 Speerwerfern zeigte in 75 % leichte Skoliosen mit einem Cobb-Winkel unter 15°, eine Verschlechterung trat über den Beobachtungszeitraum von 10 Jahren allerdings nicht auf. Skoliosen mit einem Krümmungswinkel über 15° finden sich in der kaukasischen Gesamtbevölkerung in etwa 0,5 % der Fälle.

 

Besteht ein Zusammenhang zwischen Deformitäten der Wirbelsäule und intensiveren Sportarten?

 

Bei der Untersuchung von Korrelation von Auftreten und Ausprägung von Skoliosen mit der Intensität der betriebenen Sportarten, fand sich kein Zusammenhang. Laut einer Arbeit von Hopf sind bei Skoliosen mit dem Cobb-Winkel von 10-20° alle Sportarten uneingeschränkt durchführbar. Bei einem Cobb-Winkel von 21-40° sind grundsätzlich ebenso alle Sportarten denkbar, axiale Traumata/Stauchungen sollten aber vermieden werden. Bei Skoliosen mit dem Cobb-Winkel ab 41° gelten dieselben Empfehlungen mit zusätzlicher Rücksichtnahme auf eventuelle kardiopulmonale Beeinträchtigungen. Ein eventuell zu tragendes Mieder kann während des Trainings abgelegt werden.

Interview durchgeführt von Mag. Christina Sorgmann / CredoWeb (redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva)

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