Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Vorkommen, Diagnostik und Therapie
Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Vorkommen, Diagnostik und Therapie
Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Vorkommen, Diagnostik und Therapie
08.03.17
Prim. Dr. Gert Wurzinger
Prim. Dr. Gert Wurzinger
Arzt
Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Vorkommen, Diagnostik und Therapie

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Vorkommen, Diagnostik und Therapie

Pollenallergie kann auch durch bestimmte Nahrungsmittel hervorgerufen werden – dann handelt es sich um sogenannte „Kreuzreaktionen“. Auslöser sind die ähnlich allergisch wirkenden Eiweißstoffe, die sich sowohl in Pollen von Pflanzen als auch in diversen Lebensmitteln finden.

Pollenallergiker können auch beim Genuss bestimmter Nahrungsmittel allergisch reagieren. Der Grund dafür ist, dass in Obst, Gemüse, Getreide, Nüssen oder tierischem Eiweiß sehr ähnlich allergisch wirkende Eiweißstoffe (Proteine) wie in Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern vorhanden sind. Aufgrund der Ähnlichkeit der Proteine von Pollen und Nahrungsmitteln, die biologisch gar nicht miteinander verwandt sein müssen, können die Immunglobulin-E-Antikörper, die für die Auslösung der allergischen Reaktion im Körper verantwortlich sind, nicht zwischen den Eiweißmolekülen unterscheiden und lösen allergische Reaktionen an verschiedenen Organen aus. So können z.B. Personen, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, nach Genuss eines Apfels ebenfalls Beschwerden bekommen, obwohl sich ihre Allergie ursprünglich nicht gegen das Apfelallergen, sondern gegen das Birkenpollenallergen gerichtet hat. Man spricht dabei von „Kreuzreaktionen“, „pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien“ oder vom „Oralen Allergie-Syndrom“ (OAS).

Symptome und Diagnostik

Zu den herkömmlichen Symptomen einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie zählen:

Nase: Kribbeln, Juckreiz, Niesreiz etc.

Augen: Rötung, Juckreiz, Brennen etc.

Mund: Schwellung, Juckreiz, Brennen etc.

Gehörgänge: Juckreiz

Atemwege: Husten, Beklemmungsgefühl, Atemnot, Asthma

Haut: Juckreiz, Rötung, Nesselausschlag

Magen-Darm: Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Koliken, Krämpfe, Durchfälle;

Die Beschwerden können schon einige Minuten nach Genuss des Nahrungsmittels, aber auch erst nach Stunden auftreten. Um zu erkennen welche Nahrungsmittel für die allergische Reaktion verantwortlich sind, sollte man ein Beschwerde-Tagebuch führen, in welchem Datum, Uhrzeit, Art und Dauer der einzelnen Beschwerden sowie sämtliche Nahrungsmittel, die man zu sich genommen hat, dokumentiert werden. Nahrungsmittel sollten sehr ausführlich beschrieben werden – wenn möglich mit Firmen- und Produktbezeichnung, wobei Getränke und Gewürze auch nicht fehlen dürfen. Solche Aufzeichnungen sind besonders wichtig für die Diagnose beim Arzt.

In weiterer Folge können Hauttests mit industriell gefertigten und standardisierten Allergenen, Serumuntersuchungen auf die allergenspezifischen Immunglobulin-E-Antikörper, Auslassversuche, allergenarme Basisdiät und Suchdiäten weiteren Aufschluss über die Allergieauslöser geben.

Nicht selten hat die Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zur Behandlung der Pollenallergie auch eine positive Wirkung auf die kreuzreagierenden Nahrungsmittelallergene. In etwa der Hälfte aller subkutanen und sublingualen Hyposensibilisierungen kommt es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.

Einige Vorsichtsmaßnahmen

In Fertiggerichten, „Packerlsuppen“, Soßen, Brühwürfel, Würsten etc. können sich Allergene wie Sellerie, Zwiebel, Karotten, Knoblauch, Petersilie, Pfeffer, Tomaten, Soja und andere Gewürze verstecken. Ein Blick auf das Etikett und die Zutatenliste ist für alle Frühblüher-, Beifuß- und Ragweedallergiker mit oralem Allergie-Syndrom Pflicht.

Bei ausgeprägten Nahrungsmittelallergien sollte man bei Speisen unbekannten Inhalts zur Verminderung eventueller Beschwerden etwa eine Stunde vor dem Essen vorsorglich ein Antihistaminikum zu sich nehmen. Das Mitführen eines Medikamenten-Notfallsets und eines Allergiepasses ist für alle Nahrungsmittelallergiker dringend anzuraten.

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf nichtallergischer Ebene bestehen können. Dazu gehören die Zöliakie, Fructose-, Lactose- oder Histaminintoleranz. Sind diese ausgeschlossen worden, sind umfangreichere Untersuchungen auf andere Intoleranzreaktionen oder Enzymmangelzustände durchzuführen.

Wussten Sie, dass...?

...die Unverträglichkeit auf Äpfel mit den grünen Sorten steigt, wobei Äpfel durch das Schälen wesentlich besser vertragen werden.

...Nüsse ihre Allergenität durch Hitze nicht verlieren.

...eine einzige Ragweedpflanze im Laufe ihres einjährigen Lebens bis zu 1 Milliarde Pollen freisetzen kann.

ANHÄNGE

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Allergisch-gegen-Lebensmittel.pdf

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