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Evidenzbasierte Phytotherapie im Kampf gegen Viren & Co.

Evidenzbasierte Phytotherapie im Kampf gegen Viren & Co.

Virusinfektionen sind die häufigste Ursache einer Erkältung – sie verursachen hohe gesamtwirtschaftliche Kosten und sind für einen großen Anteil am Gesamtantibiotika-Verbrauch der Bevölkerung verantwortlich. Allerdings bringen Antibiotika bei viralen Infekten keinen Nutzen, können Nebenwirkungen verursachen und sind überdies für die Zunahme resistenter Keime verantwortlich. Hier bieten pflanzliche Arzneimittel eine wirksame und sichere Alternative.

Atemwegserkrankungen und Antibiotika?

Wenn die Erkältungswelle kommt, denken viele Menschen: „Jetzt helfen nur noch Antibiotika.“ Dies ist jedoch eine massive Fehleinschätzung, denn fast alle Erkältungen werden durch Viren verursacht – und gegen diese Krankheitserreger sind Antibiotika machtlos, sie wirken nur gegen Bakterien. Das bedeutet: Antibiotika helfen gegen Erkältungen fast nie, sie verursachen jedoch oft Nebenwirkungen wie Durchfall, Ausschlag oder Übelkeit.

Eine Erkältung mit einem Antibiotikum zu behandeln, ist nur dann sinnvoll, wenn zusätzlich zur Virusinfektion noch eine zweite Infektion durch Bakterien – eine sogenannte bakterielle Superinfektion – erfolgt ist. Dies ist jedoch nur in rund fünf Prozent aller ursächlich viral bedingten Atemwegsinfekte der Fall. So ist etwa eine akute bakterielle Rhinosinusitis normalerweise eine sekundäre Infektion, die aus einer durch einen akuten viralen Infekt verursachte Verengung oder Verlegung der Nasennebenhöhlen resultiert (1). Eine aktuelle Metaanalyse von vier Studien bei insgesamt 1.314 Kindern bis zu fünf Jahren mit Infekt der oberen Atemwege belegt eindrucksvoll, dass die Verwendung von Antibiotika keinen vorbeugenden Schutz vor der Entstehung einer Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung bietet (2).

Hochwirksame und sichere Phytopharmaka

Zur Behandlung von Atemwegserkrankungen sind pflanzliche Arzneimittel besonders gut geeignet, weil die verwendeten Pflanzen bzw. die daraus gewonnenen Zubereitungen nicht nur eine einzelne Wirksubstanz (wie etwa bei einem synthetischen Arzneistoff) enthalten, sondern immer eine Mischung vieler Substanzen, einen „Arzneistoffcocktail“. Je nach Pflanzenart finden sich darin immunstimulierende, entzündungshemmende, antibakterielle, antivirale, sekretolytische, d.h. schleimverflüssigende, oder reizmildernde Stoffe. Diese Kombination bewirkt in ihrer Gesamtheit die gewünschten positiven Effekte.

Zur Behandlung von Erkältungserkrankungen steht eine breite Palette zugelassener pflanzlicher Arzneimittel zur Verfügung. Ihre Wirksamkeit wird von Kritikern immer wieder angezweifelt – völlig zu Unrecht. Denn: Für jedes hierzulande auf dem Markt befindliche Arzneimittel – unabhängig ob synthetischer oder pflanzlicher Natur – muss laut österreichischem Arzneimittelgesetz und gemäß internationalen Richtlinien der Nachweis der Wirksamkeit, der Unbedenklichkeit und der pharmazeutischen Qualität in der definierten Indikation erbracht sein. Grundsätzlich gibt es für pflanzliche Arzneimittel verschiedene Formen der Zulassung, jeweils beruhend auf wissenschaftlicher Evidenz.

Evidenzbasierte Phytotherapie

Gut geprüfte, evidenzbasierte Phytopharmaka haben ihren festen Platz im Arzneimittelsortiment. Wirksamkeit und Sicherheitsaspekte sind in klinischen, teilweise randomisierten und placebokontrollierten Studien wissenschaftlich überprüft bzw. die Plausibilität der Wirksamkeit in der traditionellen Anwendung erwiesen.

Bei Erkältungsinfekten ist in jedem Fall der frühzeitige Einsatz der Phytotherapeutika wichtig. Bei unkomplizierten Verläufen können sie auch ohne ärztliche Verordnung angewendet werden. Vor allem bei anhaltendem Fieber, Atemnot, Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit sollte jedoch in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden.

Literatur:

  1. European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps. W. Fokkens et al. EPOS Guidelines Rhinol. Suppl. 2005;18:1.
  2. Galvã MG et al. „Antibiotics for preventing suppurative complications from undifferentiated acute respiratory infections in children under five years of age”, Cochrane Database Syst Rev. 2016 Feb 29;2:CD007880. doi: 10.1002/14651858.CD007880.pub3.

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